ZEITREISE: Berlins Ostbahnhof – eine Tour de Force durch die Geschichte

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  • Autor: Redaktion
  • Fotos: imago images / serienlicht

Von „Frankfurter Bahnhof“ über „Schlesischer Bahnhof“ bis zum heutigen Ostbahnhof – die Geschichte seiner vielen Namen ist ein Stück deutscher Geschichte. Eine Zeitreise, die von den Pionierzeiten der Eisenbahn über ein DDR-Regierungsgleis, Stasi-Lokführer und Honeckers Hauptbahnhof bis hin zum heutigen Einkaufsbahnhof führt.

Der Berliner Ostbahnhof ist das Chamäleon unter den Bahnhöfen – zumindest was seinen Namen angeht. Es gibt wohl kaum einen, der so häufig seine Bezeichnung gewechselt hat: Aus dem Frankfurter Bahnhof im 19. Jahrhundert wurde der Schlesische Bahnhof, daraus der Ostbahnhof, der dann in Hauptbahnhof umbenannt wurde. Und heute heißt er wieder Ostbahnhof. Jede Namensänderung spiegelt die jeweilige Zeit und die Bedeutung des Bahnhofs im Berliner Osten.

Frankfurter Bahnhof: erste Züge an die Oder

Die Geschichte des Ostbahnhofs beginnt genau am 23. Oktober 1842, als der erste Zug hier abfuhr. Das war in der Pionierzeit der deutschen Eisenbahn, nur wenig Jahre zuvor ist der erste Zug überhaupt durch Deutschland gerollt. Damals hieß der Ostbahnhof noch nicht Ostbahnhof, sondern Frankfurter Bahnhof – ein Name, den er fast 40 Jahre lang trug. Als Kopfbahnhof diente er als Start- und Endpunkt für Fahrten nach Frankfurt (Oder) – so kam er zu seinem ersten Namen.

Schlesischer Bahnhof: zügig nach Breslau

Schlesischer Bahnhof wurde er 1881 getauft. Aus dem Kopfbahnhof wurde ein Durchgangsbahnhof. Fortan fuhren von hier aus Züge nach Breslau – nach Schlesien eben. Keinen Namen trug der heutige Einkaufsbahnhof bisher länger als Schlesischer Bahnhof, rund 70 Jahre lang.

Ostbahnhof: DDR-Staatszug und Stasi-Lokführer

Seinen großen Auftritt hatte der Ostbahnhof zu DDR-Zeiten. Im Jahr 1950 machte ihn die DDR sich zum heute bekannten Ostbahnhof. Es war die Zeit, als die Regierung im Foyer ihre Staatsbesuche empfang und das Gleis 1 ausschließlich dem DDR-Regierungszug zur Verfügung stand. Der Regierungszug, auch DDR-Staatszug genannt, wurde von der Regierungsspitze der DDR für Reisen ins In- und Ausland genutzt. Hochrangige DDR-Politiker wie Walter Ulbricht oder Erich Honecker nutzten den Zug.  Es galten strengste Sicherheitsvorschriften. Als Personal wurden teilweise Stasi-Mitarbeiter angeheuert – vom Lokführer bis hin zu den Servicekräften im Speisewagen.

Honeckers Hauptbahnhof

Honecker, damals Generalsekretär der SED, empfing 1984 Nordkoreas Staatschef, Kim Il- Sung, im Foyer des Ostbahnhofs. Dieser hatte bereits mehrere Ostblockstaaten besucht, bevor sein Zug im Ostbahnhof einrollte. Der Besuch sorgte für einen großen Andrang von Schaulustigen. Bald darauf, 1987 wurde aus dem Ostbahnhof ein Hauptbahnhof.

Ostbahnhof: Shoppen und schlemmen an historischem Ort

Die Zeiten der Staatsbesuche am Ostbahnhof sind lange vorbei. Aber die Zahl der Besucher hat sich genauso vervielfacht wie die Shopping- und Essensmöglichkeiten. Seit 1998 heißt er wieder so, Ostbahnhof, und ist Berlins drittgrößter Bahnhof. Das Foyer des Einkaufbahnhofs, mittlerweile eine große Glashalle, fügt sich elegant in die geschichtlich und kulturell attraktive Gegend. Gleich um die Ecke lässt sich ein Stück DDR-Geschichte finden: das längste noch erhaltene Stück Berliner Mauer, die berühmte East Side Gallery.

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