Filmreif: Alles Wichtige vom Film-Experten

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  • Autor: Sascha Tegtmeier
  • Fotos: freepik |

Film-Talk frisch vom roten Teppich: Kino-Experte Knut Elstermann über sehenswerte Highlights des Jahres, Romy Schneider, die #Metoo-Debatte und die Notwendigkeit von Bechern.

Herr Elstermann, Sie berichten seit vielen Jahren von der Berlinale. Was begeistert sie mittlerweile eigentlich mehr: die Filme oder eher die Partys?
Elstermann: Zu den Partys komme ich leider gar nicht, weil ich jeden Tag auf Sendung bin. Aber mir genügt ohnehin nach wie vor das Programm mit seinen außergewöhnlichen Filmen. Da lässt sich viel entdecken. Außerdem habe ich nicht nur das Privileg, tagsüber ins Kino zu gehen, sondern abends auch gleich noch die Künstler interviewen zu dürfen. Wenn ich irgendwann keine Sendung mehr mache, dann gehe ich partymäßig in die Vollen.

Was sind die Highlights in diesem Jahr?
Ich freue mich auf Filme, die man sonst nicht sehen würde. Das sind zum Beispiel die Beiträge aus Russland und Polen.

Lässt sich bereits ein thematischer Schwerpunkt erkennen?Der Festival-Direktor Dieter Kosslik hat in diesem Jahr absichtlich darauf verzichtet, einen thematischen roten Faden vorzugeben. Den müssen wir selbst finden. Meiner Meinung nach prägen die Berlinale 2018 vor allem Künstlerbiografien. Kult-Regisseur Gus van Sant stellt beispielsweise seinen Film mit Joaquin Phoenix vor, in dem dieser einen Cartoonisten porträtiert.

Was erhoffen Sie sich von den deutschen Beiträgen?
Deutschland ist mit vier Filmen vertreten, was ich schon mal beachtlich finde. Ich hoffe, dass dabei die Vielfalt des deutschen Films, die unterschiedlichen Handschriften dahinter, klar herauskommen. Ganz besonders freue ich mich auf „3 Tage in Quiberon“ – wiederum eine Künstlerbiografie. Der Film erzählt das Leben von Romy Schneider.

Durch Hollywood ging ein Aufschrei. Wie stark wird die #Metoo-Debatte die Berlinale prägen?
Es gab die Forderungen, als sichtbares Signal gegen Sexismus den roten Teppich durch einen schwarzen auszutauschen. Das wird wohl nicht passieren. Aber es wird ohne Frage eine neue Sensibilität für das Thema und – nach bewährter politischer Tradition der Berlinale – eine Vielzahl öffentlicher Diskussionsrunden geben.

Ihr bewegendster Berlinale-Moment jemals …
… ist jetzt drei Jahre her. Damals wurde mir der Goldenen Bären für den iranischen Regimekritiker Jafar Panahi ins Studio gebracht. Ohne den Gewinner, denn der stand in seiner Heimat unter Hausarrest. Ein richtig emotionaler Moment für mich!

„Das Beste der Berlinale: das Publikum“

Was darf bei einer guten Berlinale auf keinen Fall fehlen…
Das Publikum natürlich. Kein anderes A-Festival in Europa hat ein derart großes, interessiertes Publikum. Die Menschen nehmen mitunter lange Anfahrten in Kauf und stehen für Tickets auch gerne mal mitten in der Nacht an.

Was sollte man bei der Berlinale immer dabei haben?
In diesem Jahr einen eigenen Becher, weil die Berlinale keine Pappbecher mehr ausgibt. So tut man etwas für die Umwelt und für das eigene Kinovergnügen – wer Kaffee hineinfüllt, bleibt jedenfalls selbst nach mehreren Filmen noch aufmerksam.

Sie sind beruflich viel unterwegs. Was kaufen Sie am Bahnhof auf den letzten Drücker?
Ich reise sehr viel mit der Bahn, weil ich kein Auto besitze. Im Zug kann ich am besten arbeiten und lese dort unheimlich gern. Am Bahnhof ergreift mich oft die Panik, dass mir auf der Reise der Lesestoff ausgeht. Deswegen kaufe ich mir oft noch ein Buch.

Knut Elstermann, 57, Spitzname Kino King Knut, ist Filmkritiker und Moderator. Seit 20 Jahren moderiert er auf radioeins vom rbb die wöchentliche Sendung „12 Uhr mittags – das Filmmagazin“. Von der Berlinale berichtet er jeden Abend ab 22 Uhr.

Knut Elstermann

rbb – Thomas Ernst

Die 68. Berlinale fand vom 15. bis 25. Februar 2018 in Berlin statt. Viele Spielstätten befinden sich unmittelbar in der Nähe von Einkaufsbahnhöfen: Zoologischer Garten, Alexanderplatz und Friedrichstraße. Tickets gibt’s zum Beispiel an den Theaterkassen im Bahnhof Alexanderplatz, im Ostbahnhof oder in der visitBerlin Tourist Info am Berliner Hauptbahnhof. Alle Spielstätten und das komplette Programm: www.berlinale.de