Von Wein, Kultur und Lebensfreude

Der Mainzer Hauptbahnhof verbindet nicht nur Städte sondern auch Menschen – wir nehmen Sie mit auf Entdeckungstour.

Südwestlich der Metropole Frankfurt am Main liegt das beschauliche Mainz. Hier treffen jahrtausendealte Kultur, rheinländische Lebensfreude und pfälzisches Weinwissen aufeinander.

Als alte römische Siedlung, Sitz der Kurfürsten, Wissenschaftsstadt und Fußballhochburg hat Mainz viel zu bieten. In diesem Jahr finden in der deutschen Weinhauptstadt mit Sitz des Deutschen Weininstituts zudem die offiziellen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober statt. Grund genug für uns, der Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz und ihrem Bahnhof einen Besuch abzustatten, denn mit dem Feiern kennen sich die Mainzer aus. „Wenn Sie hier irgendwo sitzen und einen Schoppen trinken, bleiben Sie nicht lang allein. Die Mainzer sind sehr kontaktfreudig und gesellig“, lacht Heinz-Jürgen Wolf, Bahnhofsmanager des Mainzer Hauptbahnhofs. So ist
 es auch kaum verwunderlich, dass die Mainzer Fastnacht oder „Määnzer Fassenacht“, wie man hier sagt, eine der größten und traditionsreichsten Veranstaltungen ihrer Art ist.

Die Mainzer sind sehr kontaktfreudig und gesellig.

Heinz-Jürgen Wolf

Fastnacht und St. Paddy's Day

Das weiß man natürlich auch im Hauptbahnhof, denn Fastnacht ist auch hier einer der Höhepunkte des Jahres. Ein weiterer ist übrigens St. Patrick’s Day. Denn mit The Golden Harp befindet sich ein zünftiger Irish Pub im Bahnhof, der mit regelmäßigen Konzerten, Guinness und Kilkenny vom Fass und uriger Atmosphäre ein ganzes Stück Gemütlichkeit 
in den Bahnhof bringt.
 Aber auch die knapp dreißig weiteren Läden und gastronomischen Einrichtungen im Hauptbahnhof haben immer viel zu tun – nicht nur zur Fastnacht oder St. Paddy’s Day. 

Denn Mainz stellt einen Eisenbahnknoten
 im westlichen Rhein-Main-Gebiet dar, unmittelbar neben dem größten deutschen Weinbaugebiet Rheinhessen und mit stark frequentiertem Pendelverkehr nach Frankfurt am Main und in umliegende Städte wie Wiesbaden, Darmstadt oder Koblenz. Etwa 60.000 Reisende kommen hier täglich durch. Zudem passieren die Rhein-Main-Bahn und mehr als 400 Züge des Nah- und Fernverkehrs den Bahnhof pro Tag.

Wie alles begann

„Sie, Portier, wann geht der letzte Zug nach Bingen?“ „De erste ist heit morjend in alle Früh von unserm neue Bahnhof nach Binge abgegange; wann de letzte Zug dohin abgeht, deß erlewe mir zwää unser Lebdag nit!“ Dieser kurze Dialog fand sich am 16. Oktober 1884 in den Mainzer Nachrichten, nachdem in der Nacht zuvor der neue Hauptbahnhof nach zweijähriger Bauzeit eröffnet worden war. 

Deß erlewe mir zwää unser Lebdag nit! 

Das Empfangsgebäude des Mainzer Baumeisters Philipp Berdellé im italienischen Renaissancestil mit barocken und klassischen Elementen wurde aus hellem Flonheimer Sandstein erbaut. Dies ist bis heute sichtbar. Und das, obwohl die schmückenden Aufbauten der beiden Türme, die noch immer das Eingangsportal säumen, sowie die prunkvolle Bahnhofsuhr in der Mitte des Dachs nicht mehr erhalten sind. Berdellé setzte seinen Fokus auf die Ausschmückungen des Eingangsbereichs, die 
auf die Funktion des Gebäudes verweisen.
 So befinden sich links und rechts über dem Haupteingang zwei Reliefs der Mainzer Bildhauer Valentin Bath und Anton Scholl, auf denen sogenannte Putten, antik gewandete Kindergestalten in der Skulptur oder Malerei, spielerisch das Abfahren (links) und Ankommen (rechts) mit der Eisenbahn darstellen. 

Darüber hinaus finden sich am Eingangsportal des Hauptbahnhofs für den geneigten Betrachter das Mainzer Wappen und jenes des Großherzogtums Hessen. Außerdem wachen mittig über den drei Bögen Halbplastiken von Vulcanus, Minerva und Merkur über den Eingang sowie allegorische Darstellungen des Arbeitens und Segens. Zudem verfügte der Mainzer Hauptbahnhof in seinen Anfangsjahren mit der 300 Meter langen und 43 Meter breiten Perron-Halle über die längste Bahnhofshalle Europas. Die Halle stand bis 1935 und wurde dann nach einem Brand komplett ersetzt. Während des Zweiten Weltkriegs aber wurde der Bahnhof inklusive der gerade neu erbauten Gleishalle, der Gleisanlagen und des Bahnhofsvorplatzes so schwer beschädigt, dass der Wiederaufbau mehrere Jahre in Anspruch nahm.

Der Bahnhof heute

Bis Ende 2003 wurde der Bahnhof innerhalb von fünf Jahren aufwendig modernisiert, umgebaut und die historische Fassade restauriert. Heute führt ein Hochsteg über die Gleise, an dem sich beidseitig Geschäfte und Stände befinden – ebenso in den zwei Ebenen der Seitenflügel. Das Angebot reicht von einem Friseur über Zeitungsläden bis hin zu einem reichhaltigen gastronomischen Angebot, einer Vollreinigung sowie verschiedenen Läden für Geschenkartikel und vielem mehr, was Reisende und Besucher brauchen. 

Dies alles, verknüpft mit der ansteckenden Mainzer Lebensfreude und Gastfreundschaft, lohnt einen Besuch in diesem beschaulichen Bahnhof allemal. Und ob mit einem Schoppen Wein, einem frisch gepressten Saft oder einem Pint Guinness: Hier in Mainz lässt sich der Tag der Deutschen Einheit zweifellos sehr fröhlich feiern.

Dazu passende Artikel

dein bahnhof 02-17:münster bahnhof
Erleben Alles neu in Münster

Am 24. Juni eröffnet der neue Hauptbahnhof Münster und zeigt mit Digitalisierung und Fahrradwaschanlage, was Bahnhöfe so können.

Zum Artikel
ekb bildecke:fruehling 2017
Erleben Ein Bahnhof und sein Dom

Der Kölner Hauptbahnhof ist einer der meistfrequentierten Bahnhöfe Deutschlands und liegt direkt am Fuß des Kölner Doms.

Zum Artikel