Willkommen in Strasbourg

In der traditionsreichen elsässischen Hauptstadt steht ein Bahnhof, der moderne und historische Architektur verbindet wie kein anderer.

Spaziert man aus der wunderschönen historischen Altstadt Strasbourgs mit ihren windschiefen Fachwerkhäusern und den verträumten Gassen in Richtung Hauptbahnhof, erhebt sich der Gare de Strasbourg-Ville wie eine Sinnestäuschung: Das riesige, in der Sonne glänzende Oval erinnert an ein Ufo, das vergessen in der städtischen Landschaft liegt. Dahinter verbirgt sich die denkmalgeschützte Fassade im Stil der Neorenaissance, die nachts erleuchtet durch die gewölbte, funkelnde Glaswand scheint. „Es ist diese Verbindung von Stein, Glas und Stahl, die dem Bahnhof schon den siebten Platz unter den atemberaubendsten Bahnhöfe der Welt eingebracht hat. Er ist wirklich wunderschön und einzigartig“, sagt Florence Kraemer, Direktorin des Bahnhofs, stolz.

Der Bahnhof verbindet durch seine einmalige Architektur historische, repräsentative Bauart und Moderne. Das Empfangsgebäude stammt von 1883 und wurde in fünf Jahren nach dem Entwurf des Berliner Architekten Johann Eduard Jacobsthal aus Buntsandstein aus den Vogesen erbaut. Entsprechend finden sich hier dekorative Elemente, wie zum Beispiel die Reliefs oder die beiden allegorischen Statuen des Berliner Bildhauers Otto Geyer in der Haupthalle, welche die Landwirtschaft und die Industrie darstellen. Eine weitere Besonderheit sind die bis heute bestehenden Räumlichkeiten für die deutsche Kaiserfamilie im Bahnhof. Es wurde je ein reich dekorierter Salon für den Kaiser und die Kaiserin eingerichtet, den diese aber nie nutzten und der heute Ehrengäste beherbergt.

Ein Bahnhof hinter Glas

Umso mehr stellt sich die Frage, warum dieses monumentale Bauwerk hinter einem gewölbten, bis zum Boden des Vorplatzes reichenden Glasdach versteckt worden ist. „Seit 2007 besteht die schnellere TGV-Verbindung von Straßburg nach Paris in nur noch zwei Stunden und zwanzig Minuten statt vier Stunden. Dies hatte zur Folge, dass wir mehr Passagiere hatten, und deshalb mussten wir den Bahnhof erweitern und das Angebot verbessern“, erklärt Madame la Directrice, Florence Kraemer. 

Der Bahnhof ist wunderschön und einzigartig.

Heute passieren täglich rund 70.000 Reisende und 700 Züge den Bahnhof. 
Im Zuge der Neugestaltung des ehemals tristen Vorplatzes wurde auch der Glasvorbau errichtet. Er hat die Aufgabe, den eigentlichen Bahnhof mit der umgebenden Infrastruktur, bestehend aus Bus- und Tramhaltestelle, einer Tief- und Fahrradgarage sowie den Taxiständen, zu verbinden. Dadurch ist vor der historischen Fassade ein lichtdurchfluteter, geschützter Bereich entstanden, in dem sich zum Beispiel die Touristeninformation befindet und wo regelmäßig Fotoausstellungen gezeigt werden.

Und es gibt noch mehr zu entdecken. „Wenn die Glasmalereien und Statuen des Bahnhofs sprechen könnten, würden sie von den vielen Geheimnissen erzählten“, lacht Florence Kraemer. Einige ihrer Mitarbeiter hätten sich daher ein ausgeklügeltes System einfallen lassen, wie man den Reisenden davon unterhaltsam erzählen könne. So gibt es nun QR-Codes an verschiedenen Stellen im Bahnhof, die der geneigte Besucher scannen und so den Bahnhof auf ganz andere Art erleben kann. Pläne mit der Positionierung dieser QR-Codes stehen an der Rezeption unter dem Glasdach des Bahnhofs zur Verfügung.

Hauptstadt Europas

Im Gare de Strasbourg-Ville ist man an internationale Gäste gewöhnt. „Es gibt alle Ansagen über die Lautsprecher und Tafeln in drei Sprachen: Französisch, Deutsch und Englisch. Außerdem sprechen die meisten Mitarbeiter hier mehrere Sprachen“, sagt die Bahnhofsdirektorin. Das ist auch nötig, versteht sich Straßburg doch als die Hauptstadt Europas. Schließlich sind hier mit dem Europarat, dem Europaparlament, dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte und dem deutsch-französischen Fernsehsender ARTE zahlreiche bedeutsame europäische Institutionen angesiedelt.

Hier sprechen die meisten Mitarbeiter mehrere Sprachen.

Dies verleiht Straßburg – zusammen mit den zahlreichen Sehenswürdigkeiten und natürlich der elsässischen Küche – eine einzigartige Atmosphäre. Die sehr gut erhaltene Altstadt Grande-Île gehört heute zum Weltkulturerbe. Hier oder im Gerberviertel im Stadtteil La Petite France mit seinen malerischen Fachwerkhäusern in alemannisch-süddeutschem Stil sollten Sie sich Zeit für eine ausgiebige Entdeckungstour nehmen.

Die Notre-Dame von Straßburg

Das unbestrittene Wahrzeichen der Stadt 
ist jedoch die Cathédrale Notre-Dame, das Liebfrauenmünster zu Straßburg. Der Turm des Münsters ist mit seinen 142 Metern Höhe und dem richtigen Blickwinkel schon vom Hauptbahnhof aus zu sehen. Macht man sich jedoch auf den Weg und biegt schließlich in die letzte kleine Gasse ein, an deren Ende das Münster sich erhebt, raubt einem der Anblick doch kurz den Atem. Denn der romanisch-gotische Bau, der wie eine Mischung aus der Notre-Dame zu Paris und dem Kölner Dom erscheint, ist nicht nur eine der bedeutendsten Kathedralen der europäischen Architekturgeschichte, sondern einer der größten Sandsteinbauten der Welt. 

Neben dem Hauptbahnhof und dem Münster gibt es in Straßburg zweifellos noch einiges zu entdecken. Und an vielen Stellen in der elsässischen Hauptstadt begegnet dem flanierenden Besucher jene einmalige Gleichzeitigkeit von Historie und Moderne wieder, mit der schon der Bahnhof seine Gäste begrüßt. 

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