Barbara Schöneberger: Alles nur Show?

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  • Autor: Sascha Tegtmeier
  • Fotos: Marcus Höhn

Im Interview spricht Deutschlands bekannteste Moderatorin über ihre Auftritte als Sängerin, gute Laune, Hausarbeit und Heidi Klum.

Barbara Schöneberger ist nicht nur Deutschlands prominenteste TV-Moderatorin, sondern auch erfolgreiche Sängerin: Vergangenen Mai erschien ihr viertes Album „Eine Frau gibt Auskunft“, mit dem sie ab März durch Deutschland tourt. Im Interview verrät sie, wie intensiv sie sich auf die Auftritte als Sängerin vorbereitet, ob es eine ganz andere Barbara jenseits der Showbühne gibt, wieso sich Hausfrausein und Emanzipation nicht ausschließen – und warum sie gern mit Barack Obama eine Nacht durchmachen würde.

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Sie betritt das Berliner Fotostudio, als wäre es eine große Bühne. Ihre berühmten Locken wirbeln durch die Luft. Eine Frau wie eine Naturgewalt. Barbara Schöneberger begrüßt das Team freundlich und flötet dabei in höchsten Tönen, als stünde sie mit Jauch und Gottschalk vor der Kamera.

Frau Schöneberger, als erfahrene Moderatorin wissen Sie: Zu Beginn von Interviews versucht man, erst einmal für gute Stimmung zu sorgen. Weil Sie aber von Haus aus gut gelaunt sind, starte ich umgekehrt: Wie kann ich Ihnen die Laune verderben?
Ich bin sehr ungeduldig. Ich mag es gar nicht, wenn Dinge unnötig in die Länge gezogen werden. Deswegen liebe ich Menschen, die Sachen schnell erledigen. Auf dem Gehweg schiebe ich Leute auch schon mal zur Seite, wenn sie zu langsam sind. Aber sonst ist eigentlich alles in Ordnung bei mir.

Das Fotoshooting-Team muss bereits bei Schönebergers erster Antwort herzlich lachen. Sie sitzt im Set auf einer Lautsprecherbox, die Beine lässig übereinandergeschlagen. Konzentriert hört sie sich die Fragen an – wie eine Tennisspielerin, die darauf wartet, den Ball zurückzuspielen.

Okay, dann schnell die nächste Frage: Wie schaffen Sie es, immer so gut drauf zu sein?
Mein Leben ist ziemlich angenehm. Ich stehe gerne auf der Bühne und habe auch keine Probleme damit, rund um die Uhr verfügbar zu sein. Manchmal denke ich, dass ich auf einer rosaroten Wolke lebe. Wenn Menschen zu mir kommen und wissen wollen, wie ich das alles schaffe, frage ich mich: Wie schafft ihr das eigentlich alles? Ich muss nicht jeden Morgen ins Büro.

Sie haben wirklich nie schlechte Laune?
Viele denken, ich hätte eine traurige Seite, die ich erst zuhause zeige. Alle möchten den traurigen Clown in mir entdecken. Aber es gibt so viel Schönes in meinem Leben. Und wenn da gerade nichts ist, dann sorge ich für ein gutes Gefühl. Dafür muss ich mir kein Gucci-Kleid oder so etwas kaufen. Ich mache es mir schön – und gehe einfach mal in den Garten und trinke einen Kaffee.

Passend zur Wintersaison möchte ich mit Ihnen über lange Nächte sprechen. Woran denken Sie dabei als Erstes?
Daran, dass meine letzte lange Nacht schon ziemlich lange her ist. Ich stehe zwar oft abends auf der Bühne, bin aber nicht der Typ, der sich die Nächte um die Ohren schlägt. Ich stehe gerne früh auf. Irgendwann möchte ich aber nochmal eine Nacht durchmachen und dann morgens mit einer Tasse Kaffee auf der Treppe sitzen und den Tag begrüßen.

Was war Ihre schönste lange Nacht?
In Schweden habe ich in einer langen Sommernacht eine Taufe gefeiert. Die Sonne ging nur für zwei Stunden unter und ich habe die ganze Nacht getanzt. Daran erinnere ich mich gerne. Allerdings hatte ich da auch noch keine Kinder und konnte bis 14 Uhr ausschlafen.

1 / 3Im Jahr 2001 wird Barbara Schöneberger durch die Talkshow „Blondes Gift" erstmals einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Mittlerweile ist sie Deutschlands prominenteste TV-Moderatorin./Marcus Höhn
2 / 3Auch als Sängerin hat die 44-Jährige Erfolg: Ab März tourt Barbara Schöneberger mit ihrem vierten Album „Eine Frau gibt Auskunft" durch Deutschland./Marcus Höhn
3 / 3Abseits der Showbühne macht sie als Inspiration und Ideengeberin für das Frauenmagazin „BARBARA" eine gute Figur./Marcus Höhn

Mit wem würden Sie gerne mal eine Nacht durchmachen?
Mit Barack Obama. Wir würden singen. Der möchte ja auch nicht immer reden. Ich glaube, auch er hätte vor allem Lust zu singen.

Nervt es Sie, dass von Ihnen immer anzügliche Kommentare erwartet werden?
Nein, das habe ich mir ja selbst eingebrockt. Es freut mich sogar, dass man noch Anzügliches von mir erwartet. Es kommt die Zeit, da werden die Leute sagen: „Also für sowas ist die Schöneberger nun wirklich zu alt!“

Sie hatte angekündigt, sie sei ungeduldig: In der Tat redet sie immer schneller und wippt schon leicht mit dem Fuß – wohl auch, um aufs Tempo zu drücken.

Frau Schöneberger, lassen Sie uns ein Spiel spielen. Ich nenne Ihnen Prominente und Sie sagen mir …
… ob ich mit denen geschlafen habe?

Auch das können Sie gern verraten, aber vor allem: Wie viel Ähnlichkeit sehen Sie zwischen den Prominenten und sich? Wie ähnlich ist Ihnen zum Beispiel Michelle Hunziker?
Super, wir sind uns sehr ähnlich. Unsere Körper sind identisch, wir haben den gleichen Lifestyle und ich bin in Deutschland das, was sie in Italien ist. 100 Prozent Übereinstimmung.

Und wie steht es mit Heidi Klum?
Wenn Frauen Karriere machen und so lange oben mitmischen, finde ich das immer gut. Ich folge ihr auf Instagram und kann es nicht fassen, wie man mit diesen schlanken Beinen auf Hausdächern balancieren kann. Sie hat dabei nur eine Unterhose an und sieht super aus. Ich habe mich bei uns auch schon in einer Unterhose aufs Dach gestellt und ganz ehrlich: Es sah anders aus. Wenig Ähnlichkeiten. Leider.

„Ich stolziere nicht wie ein Gockel durchs Abteil.“

Sie wurden mal als seine Nachfolgerin gehandelt. Wie ähnlich sind Sie Thomas Gottschalk?
100 Prozent Übereinstimmung, ob Frisur, Dialekt oder die Art und Weise, wie wir an den Job herangehen. Wir sind beide total stimmungsabhängig und brauchen die Energie des Publikums. Ich bin sein Superfan. Ich sitze vor ihm, applaudiere im Geiste und kann es nicht fassen, dass sich Thomas mit mir unterhält.

Eines verbindet Sie mit diesen dreien: Sie sind alle sehr prominent. Können Sie angesichts Ihres Bekanntheitsgrads überhaupt noch Zug fahren?
Natürlich. Wenn ich nicht erkannt werden möchte, dann schminke ich mich nicht – und stolziere auch nicht wie ein Gockel durchs Abteil. Das bekommen übrigens viele männliche Kollegen nicht hin.

Wenn Sie Zug fahren, sind Sie dann eher die Träumerin oder …
… die Träumerin? Ich? Nein, ich gucke nicht aus dem Fenster, ich arbeite. Zugfahrten nutze ich dafür, um mich auf bevorstehende Moderationen vorzubereiten. Ich liebe lange Zugfahrten, im Gegensatz zu langen Flügen. Im Zug kann ich herumlaufen und im Bordbistro sitzen.

Nach diesen Fragen wirkt sie noch gelöster als zu Beginn. Ein guter Moment, um mit ihr über Persönliches zu sprechen.

Sie schaffen es in der Öffentlichkeit, ganz viel über sich zu erzählen, ohne dabei viel von sich preiszugeben. Wie geht das?
Ich bin einfach ehrlich und erzähle die Wahrheit, aber meistens glaubt mir dann keiner. Mein Leben ist gar nicht so, wie manche sich das vorstellen. Ich führe ein total normales Familienleben. Deswegen hören die Leute oft gar nicht, wenn ich die Wahrheit erzähle, weil sie auf die große Story warten. Ich verschleiere durch Ehrlichkeit, könnte man sagen.

1 / 1Ausnahmsweise ohne Mikro: Barbara Schöneberger zu Beginn ihrer Karriere im Jahr 2003./Stephan Pick

Wie unterscheidet sich die Barbara auf der Bühne von der privaten Barbara?
Gar nicht. Früher musste ich etwas einstudieren. Heute trete ich nur noch als ich selbst auf. Ich spiele auf der Bühne nur noch eine Rolle: Barbara Schöneberger.

Sie haben mal gesagt, Sie seien zu 90 Prozent Hausfrau und Mutter. Wie passt das zum Bild der emanzipierten Frau, das die Öffentlichkeit von Ihnen hat?
Emanzipation heißt ja nicht, keine Hausarbeit zu machen. Es bedeutet, die freie Wahl zu haben. Und wenn eine Frau sagt: Ich habe vier Kinder und möchte zuhause bleiben, kann die genauso emanzipiert sein wie eine, die zwölf Stunden arbeitet. Ich bin auch mehr zuhause, als man denkt. Nach Feierabend rase ich nach Hause, koche etwas oder bringe etwas mit, und dann wird der Tisch abgeräumt. Die Leute denken immer, ich würde auf einer Sänfte vom Wohnzimmer ins Schlafzimmer getragen werden. Aber ich laufe. Ganz eigenständig.

Auch auf der Bühne gelingt Ihnen der Spagat zwischen Stammtischhumor und Feminismus. Wie klappt das?
Indem ich nicht darüber nachdenke. Ich habe mein Profil nicht am Reißbrett entworfen, sondern unbewusst erarbeitet. Das braucht Zeit. Überzeugte Feministin kann man noch nicht mit Anfang 20 sein. Dazu wird man erst, wenn man mit einem Mann zusammenlebt und denkt: Warum mache ich eigentlich doppelt so viel? Nur weil ich Brüste habe? Und dann macht man’s trotzdem. Ich verstehe mich nicht als Feministin. Ich mache bei bestimmten Dingen kein großes Fass auf. Ich bin nicht angetreten, um den Männern zu zeigen, wo’s langgeht. Aber mache das natürlich trotzdem oft.

1 / 2Auch beim „Mein Bahnhof"-Fotoshooting stellt Barbara Schöneberger ihre Entertainer-Qualitäten unter Beweis./Marcus Höhn
2 / 2Ab sofort gibt es die Winterausgabe von „Mein Bahnhof" kostenlos an über Bahnhöfen deutschlandweit./Mein Bahnhof

Auf Ihrem neuen Album singen Sie über den Alltag sehr unterschiedlicher Frauen. Welches sind die typischen Lebensentwürfe von Frauen im Jahr 2018?
Das sind alle möglichen Frauen. Wenige führen das Leben, das ich führe. Viele hatten ganz andere Pläne. Sie haben den falschen Mann geheiratet, sind verlassen worden oder konnten keine Kinder bekommen. Für andere wiederum läuft es super. Ich wollte ein Album machen, auf dem sich alle wiederfinden. Ein Album mit Melancholie und gleichzeitig viel Freude.

Sie touren bald durch Deutschland. Wie unterscheiden sich die Konzerte von Ihren Auftritten im TV?
Auf Tour muss man sich das Publikum in jeder Stadt neu erarbeiten und so wird jeder Abend einzigartig. Die Leute kommen extra für dich, zahlen Eintritt und erwarten etwas. Das ist anders als im Fernsehen. Da kann man einfach umschalten, wenn die Schöneberger nervt. Auf eine Tour bereite ich mich immer gründlich vor, sammle Geschichten und Texte. Sie müssen mir in Fleisch und Blut übergehen. Dann kann ich mich auf die Bühne stellen und zweieinhalb Stunden einfach laufen lassen.

Sie redet sichtlich gern über ihre bevorstehende Tour. Aber gibt es etwas, das Barbara Schöneberger aus der Komfortzone bringt? Vielleicht Misserfolge, die es ja auch gegeben hat.

Im TV sind Sie seit Ende der 90er-Jahre dauerpräsent. Einige der Sendungen sind aber auch gefloppt …
Viele Menschen wechseln ihren Job. Als Moderator ist das nicht anders: Du musst Sachen ausprobieren. Nur dass dir dabei viele Leute zugucken – oder eben zu wenige. Manche Sachen konnte ich auch einfach noch nicht. Mir wurden riesige Shows anvertraut und ich wusste gar nicht, was ich da machen sollte. Aber ich habʼs einfach gemacht und dazugelernt.

Sie machen ein Magazin, das Ihren Namen trägt, und sind Vorbild für viele. Wie schwer wiegt diese Verantwortung?
Anfangs habe ich gar nicht darüber nachgedacht. Aber durch die Fragen von Leserinnen ist mir bewusst geworden, dass manche tatsächlich auf mich hören. Seitdem überlege ich doch nochmal genauer, was ich sage und empfehle.

Was wäre, wenn der Erfolg plötzlich ausbliebe? Würde Ihnen das dann doch die Laune vermiesen?
Ja, vermutlich. Ich bin zwar nicht applaussüchtig, aber das Rampenlicht brauche ich schon. Wenn die Leute mich gar nicht mehr beachten würden, ja, dann würde ich sicher melancholisch werden. Aber die Laune haben Sie mir immer noch nicht verdorben.

Eine Frau gibt Auskunft – Tour 2019:

07.03. Hamburg
08.03. Hannover
09.03. Bremen
11.03. Essen
12.03. Frankfurt
13.03. München
17.03. Berlin
18.03. Leipzig
19.03. Chemnitz
20.03. Köln

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