Interview: So lernt man, mutiger zu sein

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  • Autor: Christian Selzer
  • Fotos: iStock - epicurean

Psychologin Dr. Sibylle Tobler empfiehlt, immer wieder über den eigenen Schatten zu springen. Dabei sollte man sich jedoch nicht selbst schaden – und etwa Hals über Kopf den Job kündigen oder den Partner verlassen.

Frau Tobler, in welchen Situationen lohnt es sich, etwas zu tun, das man sich normalerweise nicht traut?
Es lohnt sich immer, über den eigenen Schatten zu springen. Denn das heißt: neue Erfahrungen zu machen und zu wachsen. Besonders wichtig ist es in Situationen, in denen man Veränderung anstrebt, aber vor den nötigen Schritten zurückschreckt. Oder wenn seit längerem die Lebenssituation zu wünschen übriglässt – ob beruflich, privat oder gesundheitlich.

Kann man als Erwachsener noch lernen, mutiger zu sein?
Ja. Wir wissen aus den Neurowissenschaften, dass unser Gehirn ein Leben lang veränderbar bleibt. Wir können also lernen, mutiger zu sein. Dies erfordert allerdings eine bewusste Entscheidung.

1 / 2Dr. Sibylle Tobler begleitet Menschen in Veränderung. /L. A. Wenkenbach
2 / 2Sie hat unter anderem das Buch „Die Kunst, über den eigenen Schatten zu springen“ geschrieben./Dr. Sibylle Tobler

Nun habe ich entschieden, mutiger zu sein. Und dann?
Zunächst einmal sollte man genau hinschauen und sich über die eigene Lage klar werden. Wer sich als Opfer von Umständen sieht, wird kaum Mut aufbringen. Dann braucht es Entschlossenheit, voranzugehen: Je mehr ich weiß, wofür es sich lohnt, umso leichter fällt es mir, mutig zu sein.

Das geht nicht immer gut. Wie nehmen Sie den Menschen die Angst vor dem Scheitern?
Ich kann ihnen die Angst nicht nehmen. Ich kann ihnen aber zeigen, wie sie anders mit der Angst umgehen. Es geht darum, sich nicht lähmen zu lassen. Psychologin Dr. Sibylle Tobler empfiehlt, immer wieder über den eigenen Schatten zu springen. Dabei sollte man sich jedoch nicht selbst schaden – und etwa Hals über Kopf den Job kündigen oder den Partner verlassen.

Was entscheidet darüber, ob wir als Angsthase oder Draufgänger durchs Leben gehen?
Gewöhnung. Wir entwickeln bestimmte Denk- und Verhaltensmuster, die irgendwann zu einer Art Autopiloten werden. Die gute Nachricht: Wir können lernen, jene Muster zu verändern, die unsere positive Entwicklung erschweren.

Wann wird Mut zu Übermut und vielleicht sogar gefährlich?
Das ist eine wichtige Frage. Viele Menschen verwechseln Mut mit kopfloser Flucht nach vorne. Sie kündigen etwa ins Blaue hinein den Job oder brechen eine Beziehung ab. Mut heißt nicht, vor etwas zu flüchten, sondern auf etwas hinzugehen, was für einen erstrebenswert ist.

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