Mahlzeit: Kieler Sprotten
Rauchgold aus der Ostsee

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  • Fotos: iStock - dirkr

Die Kieler Sprotte war früher ein „Arme-Leute-Essen“. Heute gilt sie als eine Delikatesse, an die sich nur noch wenige Räuchereien trauen. Warum reist sie grundsätzlich in einer Holzkiste um die Welt? Und wieso verhalf ihr ein Bahnhof zu ihrem Namen? Antworten in einer kulinarischen Geschichte.

Die Geschichte der Kieler Sprotte ist eine Geschichte voller Missverständnisse. So glauben viele Menschen, Sprotten seien junge Heringe. Dumm Tüüg, sagen dazu die Alteingesessenen, die übrigens im Volksmund ebenfalls Kieler Sprotten heißen. Sprotten sind Breitlinge; heringsartige Schwarmfische, die maximal 20 Zentimeter groß werden und kleine Schuppen auch am Bauch aufweisen. Diese Schuppen hat der Hering nicht.

Die Sprotte wird nur im Herbst gefangen

Doch nur wenige Traditionsbetriebe trauen sich überhaupt noch an die echte Kieler Sprotte, die lange ein Arme-Leute-Essen war und heute von unserem Speiseplan weitgehend verschwunden ist. Feinschmecker jedoch wissen die über Buche und Erle geräucherte goldgelbe Spezialität zu schätzen.

Sie ist ein handwerklich gefertigtes Qualitätsprodukt. Das beginnt mit der Auswahl der Fische: Traditionsbetriebe kaufen die Sprotten schon lange nicht mehr ganzjährig, sondern im späten Herbst für ein ganzes Jahr. Dann ist das Wasser kalt, das Fleisch der Fische fest und der Fettgehalt gleichmäßig. In den Räuchereien wird die Kieler Sprotte erst über offenem Feuer aus Buchenholz gegart und dann über Erlenfeuer veredelt. Erle sorgt für die goldgelbe Färbung und die unverwechselbaren Aromen. Anschließend wird die Sprotte in Holzkisten verpackt. Darin kann die frische Räucherware atmen, während sie in den Handel reist.

Kiel oder Eckernförde?

Spannend ist auch, warum die Kieler Sprotte so heißt. Eigentlich reklamiert die Küstenstadt Eckernförde die Erfindung der originalen Räuchersprotte für sich. Doch weil Eckernförde erst 1881 einen eigenen Bahnhof bekam, wurden die fertigen Sprotten lange nach Kiel gefahren und von dort mit dem Zug in die Welt geschickt. Als Herkunftsstempel erhielten sie daher „Bahnhof Kiel“, warum sie nun Kieler Sprotten heißen.

Profitipp: So entfernt man die Gräte ohne Tüddelkram

Viel wichtiger ist sowieso, wo die Sprotte hingehört: auf den Teller, am besten zusammen mit einem Butterbrot oder Rührei. In einem sind sich die Menschen in Eckernförde und Kiel ohnehin einig: Niemals pulen sie die Gräte mit Messer und Gabel aus dem Fisch. Das ist Tüddelkram, völlig unnötiger dazu. Die Sprotte schmeckt vollständig mit Kopf, Schwanz und Gräten. Wer das nicht mag, kann den Kopf entfernen, den Fisch leicht zusammendrücken und dann die Rückengräte am Schwanz aus dem Fleisch ziehen.

Rezept: Kieler Sprotte mit Tomatenrührei

Kieler Sprotten gibt’s im Supermarkt und im Fischhandel.

Zutaten für das Tomatenrührei (4 Personen):

10 Eier
eine halbe Tasse Milch
4 Tomaten
1 Zwiebel
etwas Butter oder Pflanzenöl
Salz, Pfeffer und Paprika nach Belieben
1 Bund Schnittlauch

Zubereitung:

Die Tomaten und die Zwiebel fein würfeln. Die Eier, die Milch und die Gewürze verquirlen. Die Butter oder das Pflanzenöl in einer Pfanne erhitzen und die Zwiebeln leicht andünsten. Nun die verquirlten Eier hinzu geben und leicht stocken lassen. Dann kommen die Tomaten hinzu. Mit einem Rührlöffel die Masse so lange vom Rand in die Mitte ziehen, bis das Rührei die gewünschte Konsistenz hat.

Das Rührei auf Tellern verteilen. Den Schnittlauch in kleine Ringe schneiden und frisch darüber streuen. Die Sprotten auf dem Rührei anrichten. Eventuell Schwarzbrot dazu reichen.

Lebensmittel / Essen Hauptbahnhof

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