Endstation Friedrichstraße –
der ehemalige Grenzübergang

Zurück zu Erleben
  • Autor: Redaktion
  • Fotos: imago images / imagebroker

Die Friedrichstraße in Berlin, ein kosmopolitischer Ort mit dem Einkaufsbahnhof Friedrichstraße als wichtigem Verkehrsknotenpunkt. Ein Ort zum Einkaufen und Bummeln – und mit einer emotionalen, geschichtsträchtigen Vergangenheit: Während der Teilung Berlins wurde der Bahnhof zu einem der wichtigsten Grenzübergänge zwischen Ost- und West-Berlin.

Wer heute an den Geschäften im Einkaufsbahnhof Friedrichstraße vorbei flaniert, merkt kaum, an welchem geschichtlich bedeutendem Fleck er sich befindet. Verlässt man den Bahnhof Richtung Norden, steht man vor einem Pavillon aus Glas – ein heller Ort mit einer traurigen Geschichte. Im Volksmund als Tränenpalast bekannt, gab es hier während der Teilung Berlins zahlreiche Abschiede.

Bau der Berliner Mauer

Als der Bahnhof im Jahr 1878 erbaut wurde, war er ein ganz normaler Durchgangsbahnhof. Rund 80 Jahre lang. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg war das Verkehrsaufkommen so hoch, dass der Bahnhof schnell zu klein wurde und 1914 abgerissen werden musste. Nur um gleich, in größeren Dimensionen, wieder aufgebaut zu werden.

Der nächste große Umbruch kam fast 50 Jahre später: Der 13. August 1961 veränderte alles – der Tag des Mauerbaus in Berlin. Der vom DDR-Regime errichtete „Schutzwall“ teilte nicht nur die Stadt Berlin, sondern zerlegte auch das gesamte Nahverkehrssystem in Ost und West. Von heute auf morgen wurden Bahnhöfe zugemauert, Gleise gesperrt, Weichen verschlossen und Verbindungen gekappt. So entstanden im Schnelldurchlauf zwei eigenständige Verkehrssysteme – mit einem West-Berlin, das abgekoppelt war vom Osten der Stadt und dem Rest der DDR.

Am Bahnhof Friedrichstraße hieß es fortan: Endstation, hier endeten alle Züge erst einmal. Von heute auf morgen wurde er zum Kopfbahnhof – und einer der wichtigsten Grenzübergänge zwischen Ost- und West-Berlin, streng gesichert.

Das Einzigartige an diesem Grenzübergang war: Er lag mitten in Ostberlin. Es war der letzte Bahnhof vor der eigentlichen Grenze nach West-Berlin. Der Bahnhof Friedrichstraße wurde zu einem Ort, an dem von nun an täglich Reisende aus beiden Teilen Berlins die innerdeutsche Grenze überquerten.

Der Tränenpalast: ein Ort des Abschieds

Die Ausreisehalle gen West-Berlin ist bekannt als Tränenpalast. Hier verabschiedeten Ost-Berliner ihre Besucher aus dem Westen – oft unter Tränen, so kam die Halle zu ihrem emotionalen Namen. Der Pavillon wurde zum Symbol der Trennung, die oft schikanösen Grenzkontrollen taten ihr Übriges.

Die Teilung Berlins führte in Sachen Verkehr zu ganz unterschiedlichen Ansätzen, die bis heute spürbar sind. Sieht man eine Tram, weiß man sofort, dass man sich im Osten der Stadt befindet. Der Osten investierte damals kräftig in den Straßenbahnbau, der nicht zuletzt billiger war als ein Ausbau der U-Bahn. In West-Berlin war es genau umgekehrt, hier wurde auf das Auto als vorrangiges Transportmittel gesetzt, da wäre eine Straßenbahn nur im Weg gewesen. Es wurde also in das deutlich autofreundlichere U-Bahn-System investiert.

Am 9. November 1989 dann: der Fall der Mauer, die getrennte Stadt endlich wieder vereint. Und eine Herausforderung für den Nahverkehr. Was damals im Schnellverfahren getrennt wurde, sollte sich jetzt wieder vereinigen. Das betraf nicht nur die Zusammenführung von Ost- und West-Berlin, sondern auch die Verbindung mit dem Umland, Brandenburg. So entstand später der VBB Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg GmbH.

Wer heute am Einkaufsbahnhof Friedrichstraße Halt macht, der findet sich in einem modernen, geeinten Berlin wieder. Nur wenige Meter von den Schienen entfernt, kann man jedoch in die Vergangenheit eintauchen: der Tränenpalast, früher Schauplatz von emotionalen Abschiedsszenen, ist heute ein bekannter Ausstellungsraum.

1 / 3/imago images – Arnulf Hettrich
2 / 3/imago images – Wolf P.
3 / 3/imago images – Rolf Zöllner
Das könnte Sie auch interessieren

Zeitreise: Nürnberg und der Beginn von Bahnreisen

Mehr erfahren

Zeitreise: Sommermärchen –
müde Mexikaner im Bahnhofsbunker

Mehr erfahren

Zeitreise: Sommermärchen – Der Berliner Hauptbahnhof

Mehr erfahren