In der Fundstelle:
Wo Verlierer fündig werden

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  • Autor: Christin Weigelt
  • Fotos: einkaufsbahnhof.de

In der Fundstelle im Dortmunder Hauptbahnhof kümmert sich Richard Schäfer darum, dass verlorene Gegenstände ihren Besitzer wiederfinden: von Handys über Koffer bis hin zu Beinprothesen und Schwertern. Wir haben hinter die Kulissen geschaut.

Mit charmantem Ruhrpott-Dialekt präsentiert Fundstellen-Chef Richard Schäfer sein Reich: ein fensterloser Raum mit Steinwänden und unzähligen Regalen – vollgestopft mit Dingen, die Reisende im Zug, auf dem Bahnsteig oder im Bahnhof liegen lassen haben. In der linken Reihe schlummern Boxen mit Smartphones, rechts hängen Jacken schlapp von Kleiderbügeln.

1 / 2Fundstellen-Chef Richard Schäfer/einkaufsbahnhof.de
2 / 2Gefundene Gegenstände dokumentiert Richard Schäfer genau./einkaufsbahnhof.de

Am häufigsten landen Handys, Portemonnaies und Koffer in der Fundstelle. Trifft etwas Neues ein, notiert Schäfer genau: Wo wurde das Portemonnaie gefunden? Wie viel Geld ist drin? Und gibt es ein Dokument mit dem Namen des Besitzers? Richard Schäfer ist da sehr penibel. Rund 6.000 Fundstücke hat die Dortmunder Fundstelle allein 2017 registriert.

Ein Koffer aus Hongkong

Etwa 65 Prozent der herrenlosen Gegenstände finden ihren Besitzer früher oder später wieder. In Dortmund bewahren Richard Schäfer und sein Kollege Herr Gutzmer alles für sieben Tage im eigenen Lager auf. Was dann nicht zugeordnet werden konnte, kommt in das Zentrallager nach Wuppertal. Nur eine Ausnahme gibt es: das Maskottchen der Dortmunder Fundstelle. Weil den schwarzweiß gestreiften Tiger niemand vermisste, wacht das XXL-Kuscheltier seitdem über das Büro von Richard Schäfer.

1 / 2Der Stofftiger ist das Maskottchen der Dortmunder Fundstelle./einkaufsbahnhof.de
2 / 2An einer Pinnwand sammelt das Team Dankeskarten./einkaufsbahnhof.de

Auch andere außergewöhnliche Fundstücke sind dem Team schon begegnet. So ließ ein Fahrgast seine Beinprothese im Zug liegen, ein anderer ein ganzes Oberkiefergebiss. Gemeldet haben sich die Eigentümer nie. Ein weiteres skurriles Exemplar schickte Richard Schäfer dafür gleich um die halbe Welt: Ein Schwert fand so den Weg zurück zu seinem Besitzer in Namibia. „Ich hab schon in alle Kontinente verschickt“, sagt der 61-Jährige und deutet auf einen schwarzen Koffer. „Der hier geht nächste Woche nach Hongkong.“

Manchmal Seelentröster, manchmal Detektiv

Vieles von dem, was Richard Schäfer aufbewahrt, wird von seinen Besitzern schmerzlich vermisst. Für manche sei er daher auch Seelentröster, sagt der Fundstellen- Chef. Bei schwierigen Fällen forscht er deshalb intensiver nach und googelt etwa nach potenziellen Eigentümern. Und die wissen sein Engagement zu schätzen: An einer Pinnwand sammelt er Dankeskarten aus aller Welt. Darüber hinaus haben er und sein Mitarbeiter schon selbstgemachte Marmelade und sogar eine Einladung nach Griechenland bekommen. „Diese Dankbarkeit ist das Schönste für mich“, sagt Richard Schäfer.

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