Zeitreise: Sommermärchen –
müde Mexikaner im Bahnhofsbunker

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  • Autor: Redaktion
  • Fotos: Deutsche Bahn AG / Wolfgang Klee

Wie mehr als 400 mexikanische Fußballfans 2006 nach einem WM-Spiel ihres Teams den letzten Zug verpassen – und eine Nacht im Bunker unter dem Einkaufsbahnhof Hannover verbringen.

In dem Jahr, in dem die Fußball-Weltmeisterschaft als Sommermärchen in die Geschichte Deutschlands eingeht, erleben über 400 mexikanische Fußballfans die wahrscheinlich außergewöhnlichste Nacht ihres Lebens: in einem ehemaligen Luftschutzbunker unter dem Bahnhofsvorplatz des Hauptbahnhofs Hannover.

Am Hauptbahnhof Hannover gestrandet

Am 16. Juni 2006, die Fußball-Weltmeisterschaft ist in vollem Gange, treffen in dem ausverkauften HDI-Stadion in Hannover die Mannschaften Mexiko und Angola in der Vorrunde aufeinander. Fast 30.000 mexikanische Fans sitzen mit bunten Sombreros auf den Köpfen in den Rängen und feuern ihre Mannschaft an diesem Freitagabend an. Das Spiel endet mit 0:0 – doch für einige der Fans ist noch nicht Schluss mit dem aufregenden Abend. Über 400 mexikanische Fußballfans stranden am Hauptbahnhof Hannover, weil sie den letzten Zug des Tages verpassen. Was nun?

Gleich vor dem Haupteingang des Bahnhofs liegt der Ernst-August-Platz, auf den ersten Blick ein ganz gewöhnlicher Bahnhofsvorplatz. Doch unter ihm versteckt sich ein ehemaliger Luftschutzbunker. Den einen Teil nutzt die Deutsche Bahn mittlerweile als Behelfsleitstelle und die andere wurde zu einem Atomschutzraum ausgebaut mit mehrstöckigen Bettgestellen, Sanitäranlagen, Küche, alles da. Hier ist Platz für über 2000 Menschen.

Der Bunker unter dem Ernst-August-Platz gehörte der Deutschen Reichsbahn und war während des zweiten Weltkriegs zunächst nur für Bahnreisende gedacht, die eine gültige Fahrkarte besaßen. Erst später wurde der Bunker für alle Hannoveraner geöffnet, die dort Schutz vor den Luftangriffen suchten – dicht gedrängt standen dort die Schutzsuchenden, der Bunker war oftmals völlig überbelegt.

Im Schutzbunker einquartiert

Die müden Mexikaner wussten an dem Sommerabend im Juni 2006 nicht wohin – und wurden schließlich von der Feuerwehr kurzerhand in dem Schutzbunker einquartiert. Die Mexikaner waren nicht die ersten, für die der ehemalige Luftschutzbunker seine Türen öffnete, und nicht die letzten: 1989 fuhren die ersten Züge aus der DDR ein und der Bunker wurde als Unterkunft für die Ankömmlinge genutzt. Als der Orkan Kyrill 2007 in Europa wütete, öffnete die Feuerwehr abermals die Türen zum Bunker – für gestrandete Bahnreisende. Mittlerweile wurde das Mobiliar, von dem auch die mexikanischen Fußballfans noch profitierten, entfernt. Was jetzt aus dem Bunker wird, ist unklar.

Der Hauptbahnhof Hannover zählt heute täglich rund 280.000 Reisende und Besucher – die wenigsten wissen vermutlich von dem Abenteuer der mexikanischen Fußballfans aus dem Jahr 2006 und ihrem „Hotel-Bunker“ für eine Nacht.

Wie es in dem Bunker aussah, könnt ihr hier erleben:
https://www.haz.de/Thema/H/Hannover-in-360-Grad/Im-Bunker-in-360-Grad-Unter-dem-Ernst-August-Platz

1 / 1/Deutsche Bahn AG / Christian Bedeschinski; iStock / filipefrazao
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