Kölner Dom und Hauptbahnhof:
Ziemlich beste Freunde

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Es ist das Erste und Letzte, was eine Viertelmillion Reisende täglich am Hauptbahnhof der Rheinstadt sehen: den Kölner Dom. Die beiden Bauwerke verbindet aber viel mehr als die räumliche Nähe – zum Beispiel eine Treppe, die von der Kathedrale direkt in die Markthalle des Einkaufsbahnhofs führt.

Wohin man geht, wohin man schaut: Im Zentrum kommt man an diesem Duo einfach nicht vorbei. Der Kölner Dom und der Hauptbahnhof dominieren das Bild der Innenstadt. Während der Einkaufsbahnhof mit seinen sogenannten „Colonaden“ zur Jahrtausendwende erstmals seine Tore öffnete, wurde der Grundstein zum gotischen Dom bereits am 15. August 1248 gelegt. Eine Verbindungstreppe besiegelt heute die 20-jährige Freundschaft des Einkaufsbahnhofs mit dem heiligen Wahrzeichen der Stadt. Wir verraten, was ihr über die beiden wissen solltet.

Beliebt, geliebt, geduldet

„Liebelein, isch han disch jähn!“ – das höchste der Gefühle, zu dem ein Kölner in der Lage ist, gilt auch hier dem Wahrzeichen dieser Stadt, das jeder liebt. Denn mit nichts anderem als einem Superlativ kann man den Kölner Dom umschreiben. Allein die Bauzeit ist rekordverdächtig. Es dauerte seit Baubeginn im Jahr 1248 volle 632 Jahre und zwei Monate, bis der Dom im Jahr 1880 eingeweiht wurde. Es gibt wohl kaum eine vergleichbare Kathedrale, die über sechs Jahrhunderte lang und trotzdem so nah an ihren Originalplänen vollendet wurde.

So beliebt der Kölner Dom ist, so gespalten war die Stadt anfangs in ihrer Meinung zum Hauptbahnhof. Der erste Kölner „Centralpersonenbahnhof“ wurde zeitgleich mit der Dombrücke, der heutigen Hohenzollernbrücke, im Jahr 1859 gebaut. Der Platz zwischen Rhein und Dom wurde aber schnell knapp. Der Bahnhof drängte sich zu sehr in das Bild der Innenstadt. Nach ersten Überlegungen, ihn zu verlegen, entschied man sich doch für einen Neubau an gleicher Stelle – den Unterschied machte schließlich nur eine einzige Stimme. Im Jahr 1894 wurde das Bauwerk mit der Neueröffnung vollendet.

Die höchsten ihrer Art: Dom und Centralbahnhof

Als im Jahr 1164 der Kölner Erzbischof Rainald von Dassel in Mailand in den Besitz der Gebeine der Heiligen Drei Könige kam und diese nach Köln brachte, wurde aus Köln das Heilige Köln. Die Stadt wurde neben Rom und Santiago de Compostela zum bedeutendsten Wallfahrtsort des Christentums. Dem religiösen Schatz war aber kein Schrein der Stadt würdig und so wurde der Bau des Kölner Doms erst in Auftrag gegeben. Er sollte der größte seiner Art auf Erden werden und so war es geschehen: Mit seinem 157,22 Meter hohen Südturm war der Dom bei der Fertigstellung das höchste Gebäude der Welt. Auch heute noch ist der Dom mit dem drittgrößten Kirchturm der Welt eine echt große Nummer unter den religiösen Bauten.

Als der Hauptbahnhof 1890 das erste Mal erweitert wurde, war auch sein Empfangsgebäude mit 255 Metern Länge und 64 Metern Breite eines der größten seiner Art. Der Aachener Architekt Georg Frentzen war zwar kein Heiliger aus dem Morgenland, gewann damals aber den Wettbewerb. Die Grundsteinlegung war am 7. Mai 1892.

Gemeinsam standhaft durch den Zweiten Weltkrieg

So lange es gedauert hat, die hochgotische Dom-Erscheinung zu vollenden, so schwer war sie zum Glück bis jetzt auch niederzureißen. Die fünfschiffige Basilika wurde allein im Zweiten Weltkrieg von 14 Fliegerbomben und 70 Brandbomben getroffen. Im Gegensatz zum Großteil der Stadt blieb das Bauwerk standhaft. Die Schrammen heilten. Die Erklärung des Doms zum UNESCO-Weltkulturerbe im Jahr 1996 sollte die Kathedrale auf ewig vor jeder weiteren ungeahnten Stadtentwicklung schützen. Auch der Hauptbahnhof kam, wenn auch nicht mit harmlosen, so doch mit reparablen Schäden aus dem Krieg. Er war noch funktionsfähig und wurde in den 1950er Jahren vollständig wieder in Stand gesetzt.

1 / 1Dom und Hauptbahnhof: Gegensätze ziehen sich an – oder doch eher: Gleich und Gleich gesellt sich gern?/iStock - Travel_Motion
Köln

Das Domplattenprojekt und die „Colonaden“

Mit erneuten Bauarbeiten in der Kölner Innenstadt im Jahr 1968 sollte der Dom mehr in das Stadtgefüge eingebunden werden. Dabei wurde die Fußgängerfläche auf das Höhenniveau der Domportale, die vorher nur durch Treppen zugänglich waren, angehoben. Heute ist die gesamte Fläche als Domplatte bekannt. Die Arbeiten daran wurden im Jahr 1970 vollendet. 2005 erweiterte die Stadt Köln die Domplatte um eine Freitreppe zum Bahnhofsvorplatz, die bis heute das Ensemble aus mittelalterlicher Baukunst und moderner Architektur des 19. und 20. Jahrhunderts verbindet.

Seit den 2000ern ist der Kölner Hauptbahnhof aber nicht nur ein Reisezentrum, sondern wichtiger Freizeit- und Einkaufsort von Kölnern und Touristen. Die „Colonaden“ mit ca. 70 Geschäften und Gastronomiebetrieben hauchen heute zusätzliches Leben in die Eingangsebene. Wer mag, spaziert vom Schrein der Heiligen Drei Könige im Dom über die Verbindungstreppe direkt zur Markthalle im Einkaufsbahnhof oder gönnt sich dort eine traditionelle 0,2-Liter-Kölschsstange im Kölsch Treff, bevor die Reise durch die Innenstadt oder im Zug in die Ferne weitergeht.

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