Ein Bahnhof und sein Dom

Der Kölner Hauptbahnhof ist einer der meistfrequentierten Bahnhöfe Deutschlands und liegt direkt am Fuß des Kölner Doms.

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Das markanteste Merkmal des Kölner Hauptbahnhofs ist der Dom. Das imposante Gotteshaus gehört seit 1996 zum Weltkulturerbe und befindet sich kaum 100 Meter vom Haupteingang des Bahnhofs entfernt. Die Nähe dieser beiden Kölner Herzstücke ist mit Bildern oder Worten kaum zu beschreiben – stattdessen staunt man beim Betreten des Bahnhofsvorplatzes immer wieder aufs Neue über die unmittelbare Präsenz des 157 Meter hohen Doms. Dies ist auch im Bahnhof selbst kaum zu übersehen; schließlich hängen Kölner Lokalpatriotismus und der Stolz auf den weltberühmten Dom eng zusammen. So ist es auch kein Wunder, dass das Wahrzeichen der rheinischen Metropole dem geneigten Besucher in den 70 Bahnhofsshops immer mal wieder begegnet – ob als klassisches Souvenir oder süßes Geschenk in Fruchtgummiform.

Die Geschichte des Bahnhofs ist kaum von jener des Doms zu trennen. Zwar beginnt letztere bereits im Jahr 1248 mit der Grundsteinlegung des Doms, der über viele Jahrhunderte immer wieder verändert, erweitert und erneuert wurde. Doch beginnt die Geschichte des Bahnhofs bereits mit dem Fluch und Segen der Nähe zum Dom.

Fluch und Segen zugleich

So eindrucksvoll und einzigartig die unmittelbare Nachbarschaft des Kölner Hauptbahnhofs zu dem berühmten Wahrzeichen der Stadt heute ist, so umstritten war der Standort einst. Um 1850 gab es in Köln und der damals noch eigenständigen Stadt Deutz Bahnhöfe fünf verschiedener Betreiber. Der Ruf nach einem „Centralpersonenbahnhof“ wurde laut, und die Stadt gab 1857 schließlich die Fläche des alten Botanischen Gartens zum Bau des Bahnhofs frei.

Damit wurde die einzige Grünfläche innerhalb der alten Stadtmauern aufgegeben. Auch die Tatsache, dass im Falle eines Krieges der Bahnhof ein sensibler Angriffspunkt sei und mit seiner Nähe zum Dom auch diesen gefährde, trug zur überschaubaren Begeisterung für den Standort bei. Nichtsdestotrotz wurde der Kölner Hauptbahnhof am 5. Dezember 1859 zusammen mit der Dombrücke eröffnet, welche die erste feste Verbindung über den Rhein darstellte. Heute trägt sie dank der links- und rechtsrheinischen Reiterdenkmale der Könige und Kaiser aus dem Hause Hohenzollern den Namen Hohenzollernbrücke und ist eine der am stärksten befahrenen Eisenbahnbrücken Europas.

Stetiger Wandel

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bahnhof stark beschädigt, weshalb nach 1945 erneut Überlegungen laut wurden, den Bahnhof an einem anderen Ort neu zu errichten. Auch aus diesem Grund ging der Wiederaufbau nur langsam voran. Zudem sorgte das ständig wachsende Verkehrsaufkommen für immer neue Umbauten und Erweiterungen des Bahnhofs. Der westliche Langbau wurde 1953 durch ein modernes Gebäude mit Gepäckabfertigung und Hotel ersetzt. Zwei Jahre später wurde das alte Empfangsgebäude abgerissen und nach den Plänen der Architekten Schmitt und Schneider durch ein neues ersetzt. Die Halle mit der markanten schalenförmigen Dachkonstruktion und der voll verglasten Fassadenfront zum Bahnhofsvorplatz wurde 1957 eröffnet.

Es folgten noch einige Umbauten, Renovierungen und Erweiterungen, wie die Rekonstruktion der denkmalgeschützten Bahnsteighalle, die mit ihren 255 Metern Länge und 64 Metern Breite eine der größten ihrer Art ist – und damit 100 Meter länger als der Dom. Zwischen 1997 und 2000 wurde der Hauptbahnhof schließlich für rund 200 Millionen D-Mark umfassend modernisiert und anschließend neu eröffnet. Die Glasfassade der Empfangshalle erhielt 2009 zum 150. Jubiläum des Bahnhofs und der benachbarten Hohenzollernbrücke eine umfangreiche Sanierung.

Aus Kaisers Zeiten

Heute liegt der Kölner Hauptbahnhof mit durchschnittlich 280.000 Reisenden und Besuchern pro Tag an fünfter Stelle der meistfrequentierten Bahnhöfe Deutschlands. An den sogenannten „tollen Tagen“, wie zu Karneval oder dem Christopher Street Day, können es leicht doppelt so viele werden. Täglich halten hier knapp 1.400 Nah- und Fernverkehrszüge. Zudem sorgen etwa 220 Bahnmitarbeiter dafür, dass alles reibungslos läuft. Ein Teil dessen ist zum Beispiel die Warenlogistik, die sich in der verborgenen Welt unter dem Hauptbahnhof befindet. Auf einer Fläche von etwa 3.500 Quadratmetern wird hier die Belieferung von rund 150 Zügen täglich koordiniert.

Dazu erstrecken sich unter dem Bahnhof Tunnel von etwa 1,4 Kilometer Länge. Diese stammen aus der Kaiserzeit (ab 1871), als die Post noch per Zug transportiert und unterirdisch direkt von der Postfiliale in den Bahnhof gebracht wurde. Heute fahren Elektrowagen stetig allerlei Waren vom Teelöffel bis zum Toilettenpapier durch die alten Posttunnel. Insgesamt sorgen hier 65 Mitarbeiter in drei Schichten dafür, dass es in den Zügen an nichts fehlt.

Und noch eine Besonderheit verbirgt sich in der Unterwelt des Bahnhofs: Eine automatische Schließfachanlage mit mehr als 1.000 unterirdisch gelegenen Gepäckfächern sorgt 24 Stunden am Tag und sieben Tage pro Woche für einen unbeschwerten Bummel durch den Hauptbahnhof. Das Abgeben und Abholen des Gepäcks erfolgt vollautomatisch per Magnetkarte und Scanner und ist rund um die Uhr in der D-Passage des Bahnhofs verfügbar.

Verkehrskreuz des Westens

Der Kölner Hauptbahnhof ist allerdings nicht nur ein zentraler Verkehrsknotenpunkt für Köln und die Region, sondern auch für den europäischen Fernverkehr. Hier laufen sternförmig zahlreiche Strecken aus dem Ruhrgebiet, aus Nord- und Süddeutschland, der Schweiz, Österreich, den Niederlanden, Frankreich sowie Belgien zusammen, wodurch eine deutschlandweit einmalig hohe Zugdichte herrscht. Dementsprechend ist es im Kölner Hauptbahnhof und seinen 70 Geschäften eigentlich nie ruhig. Und ein kleiner Bummel lohnt sich. Es gibt hier nicht nur Mode und Accessoires, Fruchtgummis in allen erdenklichen Farben und Formen, ein reichhaltiges gastronomisches Angebot und echt italienischen Espresso. Im „Wartesaal“ können Sie sich sogar über gehobene Küche in einmaligem 20er-Jahre-Ambiente freuen. Und wenn Sie danach noch etwas Zeit haben, hat der Bahnhof noch einen ganz besonderen Trumpf bereit: seinen Dom. Dieser ist von November bis April von 6 bis 19:30 Uhr sowie von Mai bis Oktober bis 21 Uhr geöffnet. Und an Sonn- und Feiertagen gibt es außerdem von 13 bis 16:30 Uhr Führungen.

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