Auf einen Kaffee mit ...

... Simon Schempp. Er ist einer der erfolgreichsten Biathleten Deutschlands und eine der Hoffnungen für die Olympischen Winterspiele 2018.

Simon Schempp gehört nach dem Gewinn des Weltmeistertitels im Massenstart 2017, sieben weiteren WM-Medaillen und olympischem Silber zu den erfolgreichsten deutschen Biathleten aller Zeiten. Im Interview erzählt der aus dem schwäbischen Mutlangen stammende Zollbeamte von seinem Sportlerleben, wie er mit Niederlagen und Erwartungen umgeht und wie es nach dem Karriereende für ihn weitergehen könnte.

Wie bist Du zum Biathlon gekommen?
Durch meinen Papa, der früher Biathlet war. Ich habe es dann immer im Fernsehen angeschaut und fand den Sport schön. Mit 13 Jahren hat er mich zu einem Sommer-Biathlon mitgenommen, da war ich sofort davon begeistert.

Hast Du auch anderes ausprobiert?
Ja, so einiges: Handball, Leichtathletik und Ski alpin. Doch dann habe ich mich für Biathlon entschieden. Mein Vater war auch mein Trainer, bis ich 16 war und von daheim ausgezogen bin.

Was macht ein Biathlet im Sommer?
Das ist leicht zu beantworten: Trainieren! Unsere Saison geht bis Ende März, Anfang April. Den April haben wir frei. Nachdem wir so viel im Schnee unterwegs sind, fahre ich am liebsten irgendwo hin, wo es schön warm ist und es einen Strand gibt. Aber ab Mai geht es dann schon wieder los. 


(Foto: Stanko Gruden/Agence Zoom/Getty Images)

Wie trainierst Du im Sommer?
Biathlontraining im Sommer ist vielfältig: Fahrrad fahren, Joggen, Bergtouren, Krafttraining, Paddeln im See und natürlich Training mit dem Skiroller, unserem Haupttrainingsgerät. Ab Mai haben wir rund sieben Monate, um uns auf die Saison vorzubereiten – eine lange Zeit. Zum Glück ist das Training sehr abwechslungsreich.

Wie gehst Du damit um, so erfolgreich in Deinem Job zu sein?

Es gibt da zwei Erwartungshaltungen: Die eine, die man an sich selbst hat. Und die andere, die von außen kommt. Beide sind hoch. (lacht) Ich habe es mir mal so zurechtgelegt, dass es eine Art Anerkennung ist, wenn Leute viel von dir erwarten. Das muss man sich erarbeiten und verdienen. Mit diesem gedanklichen Kniff verringere ich den Druck und sehe das gleichzeitig als Ansporn.

Biathlon ist vor allem ein Einzelsport. Mit wem freust Du Dich?
Auch wenn ich alleine laufe und schieße, steht doch ein ganzes Team hinter mir. Dazu gehören die Skitechniker, Physiotherapeuten, die Trainingsgruppe und unser Trainerstab. Jeder trägt seinen Teil zum Erfolg bei. Mit diesem Team freue ich mich, wenn alles gut geklappt hat.

Und was ist mit Niederlagen?
Niederlagen gehören dazu und sind auch sehr wichtig – für die Karriere wie für das eigene Leben. Schließlich hinterfragt niemand etwas, wenn alles toll läuft; das macht man nur nach Niederlagen. So geht man kritischer mit sich um und kann so viele Sachen besser reflektieren, was einen weiterbringt. Ich habe dazu mal einen schlauen Spruch gelesen: „Man soll Niederlagen so schnell wie möglich vergessen, aber nie das, was man aus ihnen gelernt hat.“

Viele Spitzensportler arbeiten mit einem Sportpsychologen. Du auch?
Das ist jedem selbst überlassen, aber ja, ich mache das. Nicht weil ich mit dem Coach Niederlagen verarbeiten muss, sondern weil es im Wettkampf um minimale Unterschiede geht. Man strebt nach Perfektion und ganz vorne in der Weltspitze entscheidet jeder kleine Baustein über Sieg oder weiter hinten im Feld. Deshalb habe ich jemanden engagiert, zu dem ich einen guten Draht habe und von dem ich mir in Wettkampfsituationen einen Vorteil erhoffe. Ich möchte einfach alles ausschöpfen, was an Ressourcen da ist, und mein Coach hilft mir dabei.

Du bist jetzt Ende 20. Wie lange planst Du noch, aktiv zu sein?
Auf keinen Fall noch weitere zehn Jahre. Was dann kommt, weiß ich aber noch nicht. Als Sportler habe ich nie länger als zwei, drei Jahre geplant. Natürlich habe ich mir schon Gedanken gemacht, und ein, zwei Sachen habe ich auch im Hinterkopf. Ich bin beim Zoll angestellt und dort könnte ich wieder anfangen. Oder ich werde Trainer. Ich mache mir schon immer viele Gedanken über Optimierungsmöglichkeiten und gehe dabei sehr akribisch vor. Deshalb würde mir ein Trainerposten schon entgegenkommen. 

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