Frischer Wind im Bahnhof

Die Deutsche Bahn setzt bei den Bahnhofsshops auf neue Ideen, innovative Konzepte und Start-ups - wie Haferkater im Hauptbahnhof Berlin.

Alles begann in einem alten Dönerladen in Berlin Friedrichshain: Im September 2014 eröffneten Anna Schubert, Leandro Burguete und Levin Siert hier in Ecklage ihren Laden „Haferkater“, mit dem sie das Frühstück revolutionieren wollten. Im Angebot hatten sie Porridge, Haferbrei. Dieser wird verfeinert mit Beeren, Nüssen, Schokolade und vielem mehr, verkauft in recycelbaren Bechern mit Löffeln aus Bambusholz. Bio, laktosefrei, vegan, gesund, schnell und simpel – das war das Konzept, das nicht nur die Friedrichshainer schnell überzeugte, sondern auch die Deutsche Bahn. Deshalb gibt es den leckeren Haferkater-Porridge und andere Spezialitäten des Hauses derzeit auch im Berliner Hauptbahnhof.

Start-up-Feeling bei der Deutschen Bahn

Die Deutsche Bahn hat viel vor in den nächsten Jahren. Die Produkte und Angebote sollen digitaler, moderner und zukunftsträchtiger werden. Dazu braucht es zweifellos viele neue Ideen und Impulse – auch von außen. Dass Berlin mit seiner brodelnden Start-up-Szene in diesem Zusammenhang einen einmaligen Standortvorteil hat, liegt auf der Hand. Doch wie kommen die Start-ups zur Bahn und in den Bahnhof?

„Wir suchen interessante Start-ups, um neue Ideen, Ansätze und Konzepte in den Konzern zu tragen“, sagt Fanny Schröter von der DB mindbox. Die DB mindbox verfügt über 700 Quadratmeter Innovationsfläche in den Bögen des Berliner Bahnhofs Jannowitzbrücke. Sie ist das Herzstück der Innovationsszene des Bahnkonzerns und bringt Start-ups, Kreative und Entwickler zusammen.

Tempo mit dem DB Accelerator

Eines der Formate, mit denen die DB mindbox Innovationen zur Deutschen Bahn und in die Bahnhöfe bringt, ist der DB Accelerator (engl. für Gaspedal oder Beschleuniger). Dies ist ein Förderprogramm für Start-ups mit bahnkompatiblen Produkten und Lösungsansätzen, die das Angebot und die Services der Bahn flexibler, effizienter, zuverlässiger und kundenfreundlicher machen sollen. Das Prinzip ist einfach und wirkungsvoll: Junge Unternehmen mit interessanten, passenden Produkten können sich bewerben und ihre Idee präsentieren. Eine Jury aus bahninternen und externen Experten wählt die Bewerber mit dem größten Potenzial aus, und damit startet das dreimonatige Accelerator-Programm. 

In dieser Zeit wird ein bahnkompatibler Prototyp entwickelt und im realen Umfeld getestet. Dazu gibt es nicht nur Coworking-Spaces im kreativen Umfeld der DB mindbox, sondern auch Rat und Tat von Profis, Coachings, Kontakte und ein Preisgeld in Höhe von 25.000 Euro. Und das Wichtigste: Zwischen der ersten Präsentation der Idee und dem erfolgreichen Absolvieren des Programms mit der Chance auf längere Zusammenarbeit mit dem Bahn-Konzern liegen nur vier bis sieben Monate. Damit macht die DB mindbox schnelle Veränderungen möglich – und das innerhalb eines Großkonzerns.

Das ist sowohl zeitgemäß als auch erfolgreich. In den bisherigen vier Bewerbungsrunden für den DB Accelerator haben sich Hunderte von Start-ups beworben, und einige haben es – auch längerfristig – in die Welt der Deutschen Bahn geschafft. Darunter eben auch Haferkater. „Bei der Suche nach geeigneten Start-ups, besonders für die Bahnhöfe, geht es ja im Grunde darum, Geld zu verdienen“, sagt Horst Mutsch, Leiter der Vermietung der DB Station&Service AG, lachend. „Bahnhöfe zeigen einen Querschnitt der Gesellschaft und den Zeitgeist. Deshalb müssen wir uns immer wieder anpassen, sowohl mit den Produkten als auch mit dem Ladenbau“, erklärt er weiter. Das erfordert viel Know-how und Fingerspitzengefühl – bei der Auswahl der Angebote, dem Branchenmix und den lokalen Besonderheiten. Dazu ist die Testphase des DB Accelerators im Bahnhof ein unverzichtbares Instrument.

Wir suchen interessante Start-ups, um neue Ideen, Ansätze und Konzepte in den Konzern zu tragen.

Und was braucht ein Start-up, um es in die DB-Welt zu schaffen? „Wir haben drei entscheidende Kriterien“, erläutert Fanny Schröter von der DB mindbox, „in erster Linie natürlich das Produkt, dann das Team des Start-ups, und schließlich muss das Ganze zur Bahn passen.“ „Es muss einen deutlichen Nutzen für unsere Kunden geben und natürlich eine realistische Chance, sich auf dem Markt zu etablieren“, ergänzt Horst Mutsch, der in der dritten Runde des DB Accelerators selbst in der Jury saß. Damals galt es, unter dem Motto „Next Station“ die Angebote und Services in den Bahnhöfen besser, digitaler und kundenfreundlicher zu gestalten. Neben Haferkater haben es Green City Solutions und Easy Locker aufs Siegertreppchen geschafft und durften ihr Produkt im Bahnhof testen. Easy Locker bietet Boxen für Fahrräder an, zum Beispiel an den Bahnhöfen Berlin Südkreuz und Lichtenberg. Green City Solutions hat Mooswände entwickelt, welche die strapazierte Luft in Städten sauberer und besser machen. Eine dieser Mooswände steht zum Beispiel am Bahnhof Berlin Südkreuz und ersetzt mit seiner Wirkung 275 Bäume – zweifellos ein smartes, zukunftsfähiges Produkt.

Und dass sich das Ganze für die Start-ups ebenfalls lohnt, zeigt Haferkater. Im Moment läuft im Berliner Hauptbahnhof der zweite Test für den neuen urbanen Haferbrei – wieder in einem Pop-up-Store, aber dieses Mal für sechs Monate. Gleichzeitig eröffnen die drei Gründer in diesem Frühjahr ihren zweiten festen Laden in Berlin Prenzlauer Berg. Und es bleibt spannend. Sollte auch der zweite Test im Hauptbahnhof erfolgreich sein, steht dem Schritt hinaus aus Berlin nichts mehr im Weg. Dann können sich auch Reisende in anderen Bahnhöfen auf eine Portion warmen Porridge mit süßem oder herzhaftem Topping freuen.

Start-ups gesucht!

Die Deutsche Bahn sucht wieder Start-ups, die das Verweilen und Einkaufen im Bahnhof attraktiver gestalten. Gesucht werden Multi-Channel-Konzepte, Concierge-Services oder innovative Retail-Ideen. Voraussetzung zur Teilnahme am Wettbewerb ist ein fertiges Produkt oder ein Prototyp, der im Sommer einen Monat lang live am Bahnhof getestet werden kann. Die Gewinner erhalten 25.000 € und die einzigartige Gelegenheit, ihr Geschäftskonzept in einem Pop-up-Store oder einer Aktionsfläche am Berliner Hauptbahnhof zu testen.
Gründer können sich ab dem 9. März hier bewerben: www.mindboxberlin.com/index.php/application.html


(Foto: DB Station&Service AG)