Fixe Fotos im Bahnhof

Die Fotoautomaten in zahlreichen Einkaufsbahnhöfen kennt wohl jeder. Doch kennen Sie auch die Erfolgsgeschichte dahinter?

Wer kennt sie nicht: die etwa einen Quadratmeter großen Fotoboxen – zu finden in Einkaufszentren, Ämtern und natürlich Bahnhöfen. Aber wussten Sie, dass die Erfolgsgeschichte des Fotoautomaten 1894 in Sibirien begann?

Sage und schreibe 13 Jahre lang hatte Anatol Josepho an seiner Erfindung getüftelt. Währenddessen war er durch die halbe Welt gereist, hatte in Berlin das Fotografenhandwerk erlernt, in Ungarn
 und Shanghai als Fotograf gearbeitet, wegen Fahnenflucht in drei verschiedenen Gefängnissen gesessen und sich in Peking als Verkäufer durchgeschlagen. Josepho wurde 1894 als Anatol Marko Josephewitz im sibirischen Omsk geboren und verließ schon mit 15 Jahren die Heimat – fotoverrückt und mit einer Vision.

Revolution der Porträtfotografie

Fast 30 Jahre später, 1923, war es so weit: Josepho hatte in seinem kleinen Fotostudio in Shanghai alle Details seiner Erfindung ausgearbeitet. Nun fehlten nur noch die technischen Bauteile und Geld. Also verkaufte er sein Studio, bestieg ein Schiff nach San Francisco, reiste quer durch Amerika und erreichte schließlich mit nur noch 30 Dollar in der Tasche und 
einer wirklich guten Idee im Kopf New York. Hier fand Josepho, was er suchte: Investoren, die ihm 11.000 Dollar für den Bau seines Prototyps liehen, und Partner, die ihm ein Studio 
am Broadway finanzierten.

Am 27. März 1925 meldete Anatol Josepho das Patent für seinen „Photomaton“ an – die erste vollautomatische Fotokabine der Welt. Der Erfolg war überwältigend. Täglich warteten bis zu 2.000 Menschen vor seinem Studio am Broadway darauf, sich von dem neuartigen Automaten ablichten zu lassen – für einen Vierteldollar acht Bilder
 in acht Minuten.

Das i-Tüpfelchen des Erfolges stammt allerdings von den New Yorker Kaufhausbetreibern. Da das Blitzlicht in den Automaten extrem hell war, befürchtete man, die Kunden könnten sich gestört fühlen, und verpasste den Kabinen kurzerhand einen Sichtschutz. So entstand die Privatsphäre in der Öffentlichkeit, die den Erfolg von Josephos Fotoautomaten steigerte und ihren weltweiten Siegeszug in den folgenden Jahren ermöglichte.

Erfolgsrezept seit 1925

Bis heute ist man diesem Erfolgsrezept treu geblieben: Modernste Fotoautomaten an belebten Orten, die es in kürzester Zeit ermöglichen, qualitativ hochwertige Pass- oder Porträtfotos machen zu lassen. „Wir haben insgesamt 2.200 Fotoautomaten in Deutschland und davon mehr als 320 in Bahnhöfen“, sagt Angel Ferrufino, Managing Director für Österreich und Deutschland der Photo-Me Group, die unter anderem die hiesigen Fotofix-Automaten betreibt.
 Diese stehen vor allem in Bahnhöfen, Flughäfen sowie in großen Shoppingcentern.

Zudem sind sie in vielen Behörden zu finden. „Wir brauchen eine ganz normale Steckdose und 1,25 Quadratmeter für den Betrieb eines Fotoautomaten. Und natürlich ein entsprechendes Publikum“, erklärt Ferrufino weiter. Besonders in Bahnhöfen gilt
 es zudem noch, die besonderen Auflagen zum Brandschutz oder zu Fluchtwegen zu beachten.

Vintage versus biometrisch

Etwa 120 der 2.200 Fotoautomaten in Deutschland sind sogenannte Vintage-Automaten, die die klassischen schwarz-weißen bzw. grobkörnigen Fotostreifen à vier Bilder machen, die sofort nach einer schönen Erinnerung aussehen. Mit etwa 85 Prozent liegt der Fokus allerdings auf biometrischen Bildern für Pass, Ausweis
 etc. Doch kann ein Fotoautomat tatsächlich mit einem professionellen Fotografen mithalten?

„Die großen Vorteile gegenüber Fotostudios sind die Verfügbarkeit, der Preis, die Qualität und die Geschwindigkeit – ganz gleich, ob es sich um Passbilder oder unsere Fun-Produkte handelt“, erläutert Angel Ferrufino. Schließlich habe man keine Wartezeit, biometrische Bilder seien mit 6 Euro im Schnitt halb so teuer und dauern nur vier bis fünf Minuten. Und das bei gleicher Qualität in Bezug auf die offiziellen Anforderungen.

Digital zum analogen Vergnügen

Neben den Vintage-Automaten mit ihren berühmten Retro-Fotostreifen bietet die hochmoderne Starbooth-Fotobox Hightech mit Touchscreen, starker PC-Leistung, hochqualitativer Kamera sowie bester Drucktechnik. Für Einwohnermeldeämter wurde sogar eine Fotokabine entwickelt, die über ein Touchpad für Unterschriften und Fingerabdrücke verfügt. Doch bei all den technischen Innovationen führt an dem ausgedruckten Resultat kein Weg vorbei. „Wir beobachten durchaus einen wiedererwachenden Trend zur Vintage-Fotografie“, so Ferrufino.

Wir beobachten einen Trend zur Vintage-Fotografie.

„Besonders in Zeiten der allgemeinen Digitalisierung scheint der Wille, etwas Physisches, Echtes in den Händen zu halten, wieder stärker zu werden.“ Entsprechend haben er und seine Kollegen die Erfahrung gemacht, dass ein rein digitales Angebot nicht funktioniert. 
Insofern entspricht die Idee des Fotoautomaten bis heute der Vision seines Erfinders Anatol Josepho. Der hat übrigens im März 1927 sein Patent für eine Million Dollar verkauft. Der erst 32-jährige Millionär wurde US-amerikanischer Staatsbürger und gab das Glück seines Lebens weiter: Mit der Hälfte seines Geldes gründete er eine Stiftung für mittellose Erfinder. 

Die Fotofix-Automaten finden Sie auch in vielen Einkaufsbahnhöfen in Ihrer Nähe: