Ein Sommer voll Musik

Festivals und Sommer gehören einfach zusammen – Wir verraten Ihnen, wo welche Musik spielt und geben Tipps für Ihren Festivals-Besuch.

Ein paar Tage frei, wieder Kind sein, mit Musik, Tanz, Freunden und Familie – so geht Festival. Drei Veranstalter erklären, warum ein Festivalbesuch glücklich macht, und berichten von Hippies, Harmonie und Hüpfburgen.

Auf einem Acker in Nordhessen erlebt Gunther Lorz 1997 einen magischen Moment: Es ist Sommer. Ende Juli. Zusammen mit tausenden Hippies steht er vor einer Bühne in der hessischen Einöde, umgeben von Wald und Feld, am Fuße des Herzberges. Und dann sind da plötzlich „The Temptations“ („Papa was a Rollin’ Stone“) und spielen eine pompöse Las-Vegas-Show. Natürlich mit entsprechender Kostümierung. „Dieser Kontrast – das war eines der beeindruckendsten Festival-Erlebnisse“, erinnert sich Lorz. Als Geschäftsführer des größten Hippie-Festivals in Europa, dem Burg Herzberg Festival, hat er einige solcher Momente erlebt: Spontankonzerte auf einem Lastwagen, tanzende Hippies im Matsch oder Peace-Gesänge mit Patti Smith, der es beim letzten Mal so gut gefallen hat, dass die Punk-Ikone in diesem Jahr ein zweites Mal kommt. „Da verliert man schon mal ein Tränchen vor der Bühne“, gesteht Lorz und freut sich auf seine nächsten Festival-Highlights.

Womit er nicht alleine ist: Deutschlandweit pilgern Festivalfans quer durch die Republik zu über 600 Musikfestivals, Festspielen und Festwochen jährlich. Das sind nach Angaben des Musikinformationszentrums (MIZ) in Bonn mehr als viermal so viele Veranstaltungen wie noch vor 20 Jahren. Tendenz steigend. Jährlich kommen immer neue, kreative Events an außergewöhnlichen Orten dazu: Vom Hippie-Fest in der hessischen Pampa über Reggea auf der Insel, Rock am Ring, Popmusik am Strand bis zu Hip-Hop auf der Wiese und Jazz im Einkaufsbahnhof ist für jeden Musikgeschmack etwas dabei. Kurz: Deutschland ist im Festivalfieber.

Love and Peace and Gummistiefel

Ausgebrochen ist das Festivalfieber bereits vor knapp 50 Jahren im beschaulichen Breitenbach am hessischen Herzberg. Hier fand 1968 das erste Burg Herzberg Festival statt. Ein richtiges Hippie-Festival, wie es sich für die Spät-68er gehört. Etwas kleiner als das legendäre Woodstock-Festival in den USA, etwas weniger berühmt, aber immerhin schon ein Jahr früher wurde es zum Grundstein für das größte Hippie-Festival in Europa. Seit 1991 ist auch Gunther Lorz dabei. Eigentlich war die Musik gar nicht so seine Sache. Mit seiner eigenen Band spielt er bis heute lieber Metal-Musik. Aber das besondere Miteinander auf dem Festival gefiel ihm. „Da waren irgendwie nur sympathische Leute“, erinnert sich Lorz.

Einfach mal eine Woche ohne Ellenbogen.

Etwa 300 Besucher kamen Anfang der 90er. Heute sind es über 12.000. Der Charme des Hippie-Festivals aber ist geblieben: „Hier kann jeder so sein, wie er ist, und tun, worauf er Lust hat.“ Alte Freunde treffen, neue kennenlernen, reden, alleine sein, die Natur genießen, Musikmachen, tanzen oder einfach nur eine Woche Urlaub mit Kindern und Familie. Und alles in totaler Friedlichkeit. Love and Peace eben. Genau darum geht es ja auch irgendwie auf einem Festival, findet Lorz: „Mal eine Woche ohne Ellenbogen.“ Dafür braucht man erstaunlich wenig: Musik, Natur und – ganz entscheidend – Gummistiefel. Denn die, so Lorz, sind bei Regen wichtiger als ein Zelt. Einen Schlafplatz finde man schließlich immer irgendwo.

Musik verbindet

Heute sind „Love and Peace“ längst zum Credo der meisten Musikfestivals geworden – egal ob Hippie oder Hip-Hop. Das friedliche Miteinander gehört einfach zum Festivalflair dazu und funktioniert auch auf weitaus größeren Events. Etwa auf dem Summerjam in Köln. Hier kommen jährlich bis zu 33.000 Gäste zusammen, um am Fühlinger See, keine 40 Minuten entfernt vom Kölner Hauptbahnhof, Europas größtes Reggea-Festival zu feiern. Sie kommen aus über 45 verschiedenen Nationen, verrät Veranstalter Karl-Heinz Brozi: „Wir sind ein Multikulti-Festival.“ An den Ufern des Sees verleben Menschen aller Nationen und Religionen eine friedliche Zeit zusammen. Der 56-Jährige weiß, warum auf Festivals funktioniert, was im täglichen Leben oft scheitert: Musik verbindet.

Drei Tage, drei Bühnen, 40 Acts. In diesem Jahr mit dabei: Sido, Joy Denalane und Stammgast Patrice. „Reggae ist heute sehr viel offener und moderner“, erklärt Brozi. Dazu kommen Aftershowpartys und die „kleine Musik“, wie Brozi es nennt. Denn neben den großen Auftritten der Künstler treffen sich in Köln wie in Nordhessen die Gäste auch hier zu privaten Sessions und teilen besondere Festivalmomente – vor dem Zelt, auf der Wiese, am Ufer.

„Das Gesamtkonzept ist der Wahnsinn“

Denn das Festival-Glück besteht nicht nur aus Musik, sondern entsteht in der Natur, der besonderen Kulisse zur Musik und dem – nun ja, nennen wir es mal Drumherum. Karl-Heinz Brozi bringt nach 26 Jahren Festival-Erfahrung das Erfolgsrezept auf eine einfache Formel: „50 Prozent sind Location, 50 Prozent sind Programm.“ Das erklärt, warum so viele Festivals mehr als nur ein Musik-Erlebnis sind. Zum Vergnügen stehen bereit: Riesenrad und Helikopter (z. B. Utopia Island in Moosburg), Wakeboard-Anlagen (z. B. Sea You Festival Freiburg), Yogamatten (z. B. A Summer’s Tale, Lüneburger Heide) oder Hüpfburgen, Blobbing-Kissen und Bällebad wie auf dem Pangea Festival in Pütnitz bei Ribnitz-Damgarten. Hier hat das Drumherum sogar einen Namen: Kindsein.

Organisator Alexander Seifert hat das Festival genau mit diesem Ziel vor fünf Jahren ins Leben gerufen: „Auf dem Pangea können Erwachsene wieder Kinder sein.“ In schönster Lage, direkt am Saaler Bodden, zu guter Musik und mit einem Programm, dass schon beim Lesen Spaß macht, ist das kleine Festival im Norden so in Deutschland einzigartig. „Das Gesamtkonzept ist der Wahnsinn“, freut sich Seifert und schwärmt von Breakdance-Kursen, Häkel-Workshops, BMX-Fahren, Riesenseifenblasen, Bingo, Hula Hoop ... und natürlich ganz viel Zeit für Erholung, Familie, Freunde, Musik – und garantiert vielen magischen Momenten, egal ob mit oder ohne Gummistiefel.

Dazu passende Artikel

Erleben Festival-Finder

Ob rockig, bunt oder für die ganze Familie – wir sagen Ihnen, welches Festival für Sie genau das Richtige ist für einen Sommer voller Musik.

Zum Artikel
dein bahnhof 02-17:topsify
Erleben Dein Bahnhof. Deine Playlists.

Unterwegs richtig gute Musik hören: Die Topsify-Playlists machen's möglich. Einfach reinhören und sechs erstklassige Playlists entdecken.

Zum Artikel