Auf nach Antwerpen

Auf unserer Reise zu Europas schönsten Bahnhöfen waren wir dieses Mal in Belgien im eindrucksvollen Antwerpen-Centraal.

Vor 500 Jahren war Antwerpen eine der größten Städte der Welt und zeitweise die wichtigste Handelsmetropole Europas. Heute steht die belgische Hafenstadt im Schatten des Nachbarn Brüssel, von wo aus die Geschicke Europas gelenkt werden. Nichtsdestotrotz hat die Stadt an der Schelde viel zu bieten Unser Tipp: Kommen Sie mit der Bahn. Denn der Empfang, den der Antwerpener Hauptbahnhof, die „Centraal Station“, seinen Gästen bietet, ist einmalig.

Inspiriert vom Pantheon

„Spoorwegkathedraal“, Eisenbahnkathedrale, nennen die Antwerpener ihren 1905 eröffneten Bahnhof. Das mag von Ferne etwas pompös klingen, ist aber spätestens beim Betreten des prunkvollen Empfangsgebäudes im Gründerzeitstil mit seiner gewaltigen 75 Meter hohen Kuppel mehr als nachvollziehbar. Der Prachtbau stammt von dem Architekten Louis de la Censerie, der sich bei seiner Arbeit vom Bahnhof Luzern und vom Pantheon in Rom inspirieren ließ. Das ist – sowohl hinsichtlich des Stils sowie der Ausmaße des Bahnhofs – deutlich sichtbar. Als König Leopold II. von Belgien den Bahnhof 1905 das erste Mal sah, kommentierte er dessen offensichtliche Größe mit den Worten: „C'est une petite belle gare.“ (Das ist ein netter, kleiner Bahnhof.)

Das ist ein netter kleiner Bahnhof.

Der Bahnhof wurde 1975 unter Denkmalschutz gestellt und gründlich renoviert sowie modernisiert. Bis heute dient er mit seiner weitläufigen Halle als eindrucksvolle Kulisse für viele Veranstaltungen, Film- und Fotoaufnahmen. Schließlich kürte die amerikanische „Newsweek“ den Antwerpener Hauptbahnhof 2009 zum schönsten Bahnhof der Welt. Zwischen den Gleisen auf der ersten Etage empfangt den Reisenden das sogenannte Atrium, überdacht von der Bahnsteighalle aus Glas und Eisen. Diese wurde zwischen 1895 und 1899 erbaut und hat mit ihren 186 Metern Länge, 43 Metern Höhe und 66 Metern Breite imposante Ausmaße. Hier fungiert Antwerpen-Centraal als Kopfbahnhof und bildet damit den Endpunkt vieler Verbindungen aus dem Osten.

Zwischen 2000 und 2009 wurde der Bahnhof mit zwei unterirdischen Bahnsteigniveaus erweitert und den Anforderungen des Hochgeschwindigkeitsverkehrs angepasst. Die vier Durchfahrtsgleise auf der untersten Ebene ermöglichen nun den Zugverkehr auf der wichtigen Nord-Süd-Strecke von Amsterdam bis nach Paris. Heute verzeichnet der Bahnhof eine Frequenz von mehr als 540 Zügen am Tag, wobei die Verbindungen nach Amsterdam und Brüssel zu den wichtigsten gehören. Aber auch aus dem Westen Deutschlands erreichen ICEs oder  alys die sehenswerte Hafenstadt schnell – vom Kölner Hauptbahnhof dauert die Fahrt weniger als drei Stunden.

Tierische Nachbarn

Besonders ist außerdem die Lage des Bahnhofs. Denn in unmittelbarer Nachbarschaft beendet sich der Antwerpener Zoo. Dieser existiert dort bereits seit 1843 und beherbergt rund 5.000 Tiere. Zudem beendet sich südwestlich von Antwerpen-Centraal das berühmte Diamantenviertel der Stadt. Bis heute ist die belgische Metropole eines der wichtigsten Zentren für den Handel mit Diamanten und ihre Verarbeitung weltweit (siehe Infokasten). Dies erklärt auch die zahlreichen Diamanten- und Schmuckläden, die es im Hauptbahnhof neben den Shops für den üblichen Reisebedarf gibt. Darüber hinaus ist die Nähe zu den französischen Nachbarn offensichtlich. Denn wenn es an einem im Hauptbahnhof Antwerpen nicht fehlt, sind es Croissants und Brasserien.

Antwerpen to Go

Ein Spaziergang durch die Antwerpener Altstadt lohnt sich immer. Die kleinen Gässchen mit den ebenso kleinen, gemütlichen „Winkels“, den Geschäften, und der maritimen Architektur sind eine famose Kulisse für einen Städtetrip. Ebenso finden sich hier zahlreiche schicke Restaurants, urige Kneipen und pompöse Stores, in denen allein der Besuch schon lohnt. Und die alte Stadtburg „Het Stehen“ am Ufer der Schelde ist ein eindrucksvoller Höhepunkt für eine Tour durch Antwerpen.

Trotz aller Pracht ist Antwerpen-Centraal am Ende des Tages zwar vor allen Dingen ein Bahnhof, an dem Reisende ankommen und abfahren. Doch gleichzeitig ist er eine Sehenswürdigkeit, die mit Prunkkirchen und Kathedralen mithalten kann. Dazu verzaubert Antwerpen seine Gäste mit dem Charme einer alten Handels- und Seefahrerstadt mit ihren prachtvollen Gildehäusern, der internationalen Atmosphäre und echt belgischer Lebensart.

Design und Diamanten

Seit dem 15. Jahrhundert dreht sich in Antwerpen alles um Diamanten, heute gilt die flandrische Metropole gar als Welthauptstadt des Diamantenhandels. Im Diamantenviertel befinden sich vier Diamantenbörsen, die größte ist die Beurs voor Diamanthandel. Daneben gibt es hier 1.600 Diamantenfirmen sowie ein Diamantenmuseum. Zudem ist Antwerpen seit den 80er-Jahren eine internationale Talentschmiede für Design und Mode. Hierzu gibt es sogar spezielle Stadtführungen, auf deren Plan natürlich auch die Koninklijke Academie voor Schone Kunsten (dt. „Königliche Akademie für Schöne Künste“) steht, an der man zum Beispiel auch Diamanten- und Schmuckdesign studieren kann.

(Foto: De Agostini Picture Library/Getty Images)

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