Willkommen in den Niederlanden

Der nächste Halt auf unserer Reise zu Europas schönsten Bahnhöfen ist der majestätische Hauptbahnhof Amsterdams.

Dort, wo Amstel und IJ hintereinander in das IJsselmeer münden, liegt die Hauptstadt des Königreichs der Niederlande. Und auf drei künstlichen Inseln im IJ thront schon von Weitem sichtbar der majestätische Hauptbahnhof.

Mit etwas Glück erwischt man in Münster eine der Bahnverbindungen, die den geneigten Reisenden in weniger als drei Stunden und mit einmaligem Umsteigen in Oberhausen nach Amsterdam bringt. Mit der Bahn reist es sich hier übrigens am bequemsten an, da es in der Amsterdamer Innenstadt kaum Parkplätze und nicht viel Platz für Autos gibt. Stattdessen gehört die niederländische Metropole ganz klar den Fahrrädern und Booten. Schon von Weitem erheben sich die vier gläsernen Runddächer des Hauptbahnhofs Amsterdam Centraal.

Die zwei großen und ein kleineres Glasdach überspannen die elf Gleise, und das vierte mit dem rotgelben Schriftzug „Amsterdam“ beherbergt den Busbahnhof am Ufer des IJ. Gleich hier geht übrigens die Fähre in den Nordteil der Stadt, während auf der Cityseite des Bahnhofs vor der prunkvollen Fassade die Straßenbahnen abfahren. Und ein paar Stockwerke tiefer fährt die Metro. Etwa 260.000 Menschen, vor allem nationale und internationale Touristen, kommen hier täglich durch. „Das ist eine unserer Herausforderungen: Der Bahnhof muss für Touristen, die entspannt sind, ebenso funktionieren wie für eilige Pendler“, sagt Bahnhofsmanagerin Irma Winkenius. Sie hat sechs Jahre lang den Neubau des Bahnhofs geleitet, seit Januar 2017 managt sie Amsterdam Centraal mit den rund 1.000 Menschen, die hier arbeiten.

Der Bahnhof muss für entspannte Touristen ebenso funktionieren wie für Pendler.

Von Meisterhand erbaut

Amsterdam Centraal wurde ab 1875 von dem Architekten Pierre Cuypers entworfen, von dem auch das Rijksmuseum stammt. Der Stil des Bahnhofs wurde Cuypers Markenzeichen: roter Backstein mit Dekorationen aus Naturstein, beeinflusst von neugotischen und mittelalterlichen Elementen sowie der holländischen Renaissance. Cuypers wollte, dass der Amsterdamer Hauptbahnhof, der am 15. Oktober 1889 eröffnet wurde, ein Paradies für Reisende und ein Denkmal der Technik wird.

Der Bahnhof wurde auf drei künstlichen Inseln erbaut und steht aufgrund der sandigen und feuchten Beschaffenheit des Untergrundes auf etwa 9.000 Holzpfählen. Der Haupteingang mit den beiden reich verzierten Türmen wurde von Cuypers bewusst als Tor in die Stadt kreiert, durch das die Besucher Amsterdams angemessen willkommen geheißen werden. Am Giebel befindet sich das Reichswappen zwischen zwei Löwen, darunter vierzehn Wappen von Städten, unter anderem von Berlin, Sankt Petersburg und Paris, die damals mit der Bahn von hier aus erreicht werden konnten.

Die Mischung macht’s

An der östlichen Seite befindet sich der „Koningspaviljoen“ (Königlicher Pavillon) mit Dekorationen von Georg Sturm. Noch heute befindet sich hier die „Koninklijke Wachtkamer“, der prunkvolle Königliche Wartesaal. Dieser verfügt nicht nur über eine exklusive Ausstattung, sondern wird bis heute seiner Bestimmung gemäß genutzt – zum Beispiel, wenn die königliche Familie mit ihrem Zug in den Skiurlaub fährt.

Hinter dem imposanten Eingangsportal von Amsterdam Centraal befindet sich der moderne Teil des Bahnhofs. Über drei Tunnel erreichen Reisende die Gleise. Zudem gibt es parallel dazu zwei edle Einkaufspassagen und hinter den Gleisen die moderne „IJ-hal“, die ebenfalls Geschäfte, den Übergang zum Busbahnhof bzw. zur Fähre sowie Restaurants mit Blick auf das IJ beherbergt. Die IJ-hal sowie die erste IJ-Passage wurden im Juni 2015 eröffnet. Die zweite Passage, die Amstelpassage, steht Reisenden und Besuchern ab diesem Juli offen.

„Klein-Amsterdam“

Die beiden Einkaufspassagen wurden nach dem Vorbild der Leidsestraat, einer der schönsten und buntesten Einkaufsstraßen Amsterdams, konzipiert, erzählt Irma Winkenius. Die Grundidee war es, kleine Gassen mit gemütlichen, hübschen Geschäften nachzubilden. „Allerdings wurden einige Ladenflächen dann doch vergrößert, damit die Mischung gut zum Bahnhof passt“, erklärt die Bahnhofsmanagerin.

Und für die gerade eröffnete zweite Passage gab es noch eine andere Vision: „Hier wollten wir ein ‚Klein-Amsterdam‘ für unsere Besucher erschaffen“, sagt Irma. Das heißt, es soll besondere Läden geben, die – fernab von den üblichen Souvenirs – im Kleinen einen Eindruck davon geben, was den Besucher in Amsterdam erwarten, wie junges Design und kreative Initiativen aus der Stadt.

Amsterdam ist jung, kreativ und international.

Insgesamt bietet Amsterdam Centraal rund 100 Geschäfte sowie die verschiedensten Serviceangebote, wie eine Apotheke mit Medikamentenautomat und einem Arzt. Getreu dem Motto: Op het station is meerte halen dan je trein (Im Bahnhof kriegen Sie mehr als nur Ihren Zug). „Der Herzschlag des Bahnhofs ist nah am Herzschlag Amsterdams, und der ist jung, international und kreativ“, sagt Irma. „Und das ist auch unsere Vision für die Entwicklung des Bahnhofs.“

Dazu passende Artikel

ekb bildecke:fruehling 2017
Erleben Auf nach Antwerpen

Auf unserer Reise zu Europas schönsten Bahnhöfen waren wir dieses Mal in Belgien im eindrucksvollen Antwerpen-Centraal.

Zum Artikel
dbh 04-16: prag hauptbahnhof
Erleben Willkommen in Tschechien

Wir besuchen Europas schönste Bahnhöfe. Dieses Mal waren wir im beeindruckenden Prager Hauptbahnhof, dem Praha hlavní nádraží.

Zum Artikel